Bewerbungsformen

Es gibt verschiedene Bewerbungsformen und jede Einzelne erfordert Ihr ganz spezielles Anschreiben.

  • Onlinebewerbung
  • Telefonbewerbung
  • Initiativbewerbung
  • Bewerbung nach vorangegangenem Telefonat
  • Bewerbung auf ein konkretes Stellenangebot des Arbeitgebers
  • Bewerbung auf eine Chiffre-Anzeige

 

Onlinebewerbung

Seit einigen Jahren sind die Onlinebewerbungen, bedingt durch den Internetboom, auf dem Vormarsch. Die Bewerbungsunterlagen, egal ob Online oder auf dem Postweg, sollten aber immer einer großen Sorgfalt unterliegen. Gerade beim Online Bewerben ist dies oft nicht der Fall.

Es gibt genügend Untersuchungen, die belegen, dass der Onlinebewerbung die Zukunft gehört. Die Frage ist nur noch, wann das Bewerben mit dem Internet die schriftliche Variante ablösen wird. Im internationalen Vergleich ist Deutschland hier auf den hinteren Rängen, andere führende Wirtschaftsnationen akquirieren bereits wesentlich häufiger über das Internet. Zudem ist es hierzulande noch häufig üblich, dass einer erfolgreichen Onlinebewerbung eine schriftliche Bewerbung auf dem Postweg folgt.

Die Wachstumsraten der Stellenbewerbung im Internet lassen jedoch die klaren Tendenzen erkennen, wonach innerhalb der nächsten 10 Jahre die schriftliche Bewerbung ihre Bedeutung verliert. Dieser Trend geht nicht auf die Tendenz der Bewerber zur digitalen Bewerbung zurück, sondern auf die Erkenntnis der Unternehmen mit der digitalen Form richtig Geld zu sparen. Die Bewerber, die sich jetzt bewerben müssen, haben davon natürlich wenig. Ihnen stellt sich die Frage - Online oder Mappe? Wer sich bei einem großen Konzern bewerben möchte, muss dies sehr häufig über das Internet in Form von Bewerbungsformularen machen, um überhaupt eine Chance zu haben seine Karriereplanung zu verwirklichen.

Unter dem Begriff der Onlinebewerbung werden heute einige Sachen zusammengefasst, die jedoch ganz unterschiedlich sind und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile haben. Es gibt im Wesentlichen vier Formen sich über das Internet zu bewerben – die Bewerbungshomepage, die E-Mail-Bewerbung, das Bewerbungsformular und die dynamische Bewerbungshomepage. Der Vorteil, den alle gemeinsam haben ist, die zeitliche Unabhängigkeit, gegenüber dem Postweg. Besonders bei Auslandsbewerbungen kann dies entscheidend sein.

Die E-Mail-Bewerbung ist die einfachste und kostengünstigste Form über das Internet. Ist dem Stellenangebot eine E-Mail-Adresse beigefügt, dann ist davon auszugehen, dass die Bewerbung per Mail hier erwünscht ist. Für die Onlinebewerbung per E-Mail gelten die gleichen Standards wie für die schriftliche Version mit Bewerbungsmappe. Die Kurzbewerbung besteht auch hier aus einem Anschreiben und dem Lebenslauf mit Foto. Bei einer ausführlichen Bewerbung können hier Zeugnisse und Arbeitsproben digitalisiert und mitgeschickt werden. Nach dem Versand per E-Mail sollten Sie nicht länger als eine Woche auf eine Antwort warten, danach können Sie sich ruhig telefonisch nach dem Stand des Bewerbungsverfahrens erkundigen. In der Regel folgt eine Antwort jedoch schneller als auf dem Postweg.

Große Konzerne haben in der Regel eigene Bewerbungsformulare, die der Bewerber im Internet auf der Seite des Unternehmens ausfüllen muss. Daimler Chrysler zum Beispiel nimmt auf dem Postweg überhaupt keine Bewerbungen mehr an. Hier zählt die Bewerbung nicht mehr als erste Arbeitsprobe, sondern die Daten rücken in Vordergrund. Es ist kein Geheimnis, dass hier der Personalentscheider die Bewerber mittels Software aussucht. Wer keinen Einser-Durchschnitt vorweisen kann, der fällt durch das Raster, hat sich beworben aber wird quasi ohne Sichtung abgelehnt, was oft ein Ende der Karriereplanung zur Folge haben kann.

Jeder Bewerber sollte sich beim Ausfüllen der Bewerbungsformulare klar machen, dass hier nur die Fakten zählen. Jedoch ist dies nicht der einzige Nachteil der Bewerbungsformulare. Es gibt für die Formulare keine einheitlichen Standards bei den Unternehmen.

Jedes Unternehmen hat seine eigene Form des Bewerbungsformulars für Onlinebewerbungen, weshalb der Bewerber für jedes Unternehmen ein eigenes Formular ausfüllen muss. Solange es ein Überangebot an Arbeitskräften in Deutschland gibt, wird sich dieser Trend auch nicht umkehren.

Fallen der Onlinebewerbung

Teure, Bewerbungsmappen, Hochglanzfotos, Zeugniskopien und Dutzende von Briefmarken - dieses aufwendige Verfahren lässt sich mit einer Bewerbung übers Internet weitgehend vermeiden. Doch so unkompliziert, wie sie scheint, ist die Onlinebewerbung nicht immer. Bewerber, die sich erfolgreich um einen Job bemühen wollen, müssen sich vor Online-Fallen in acht nehmen.

In Branchen, in denen Telekommunikation und Internet eine Rolle spielen, wird diese Methode ein immer größeres Thema. Vor allem große Firmen mit vielen Bewerbern regeln die Auswahlverfahren über das Internet. Der Autohersteller BMW bevorzugt die Online-Methode. Der gesamte Bewerbungsprozess findet über das Internet statt. Der Bewerber füllt einen Online-Bogen aus und hängt seine persönlichen Dateien wie Lebenslauf und Zeugnis an.

Ein so genannter Job-Assistent hält den Bewerber auf dem Laufenden, wie es mit seiner Bewerbung voranschreitet. Bewerbungen für Ausbildungsplätze beim Möbelhersteller IKEA werden in beinahe jeder Form akzeptiert. Ein vorstrukturiertes Online-Formular gibt es zwar auch hier. Bewerbungen auf Papier oder per E-Mail werden aber nicht von dem Verfahren ausgeschlossen.

Wer sich entschließt, seine Bewerbung per E-Mail zu verschicken, sollte sich auf einige Tücken einstellen, die es zu umgehen gilt. Bevor eine E-Mail abgeschickt wird, sollte der Interessent sicher gehen, dass diese als Bewerbungsform überhaupt erwünscht ist - entweder telefonisch oder durch einen genauen Blick auf das Inserat. Wenn dort nicht explizit eine Mail-Adresse angegeben ist, sondern nur die Postanschrift, sollte im Zweifel immer der Postweg gewählt werden.

Werden E-Mails akzeptiert, kann sich an die Gestaltung gemacht werden - und da steckt der Teufel im Detail.

Der Top-Fehler ist, die Betreffzeile leer zu lassen. Die Mail landet dann meist im Spam-Filter. Auch die Abkürzung „MfG“ für „Mit freundlichen Grüßen“ ist furchtbar.

Anschreiben, Lebenslauf, Foto und eingescannte Zeugnisse werden zur guten Übersichtlichkeit am besten in einem einzigen PDF-Dokument untergebracht. Das kostenlose Office-Programm OpenOffice.org beherrscht die Erstellung von PDF-Dokumenten.

Ich rate Bewerbern, E-Mails von einem kostenlosen Anbieter wie Web.de oder GMX nicht direkt über das Internet zu versenden. Die Mails sind meist mit viel Werbung versehen. Um dies zu vermeiden, sollte ein Programm wie Outlook-Express (Windows XP) oder Windows Mail (Windows Vista) verwendet werden.

Bei Fotos lohnt es sich, auf Qualität zu achten. Gängig sind qualitativ hochwertige Porträtfotos. Es sei denn, der Bewerber wird gerade durch das altmodische Passfoto schon wieder interessant. Persönlichkeit zählt nämlich immer - auch im Online-Zeitalter.

Weitere Infos zu diesem Thema unter: www.online-bewerbung.org/

Telefonbewerbung

 

oder: Wie ich mich am Telefon richtig "verkaufe"

Ein Telefongespräch mit einem potenziellen Arbeitgeber kann Stress bedeuten, öffnet aber viele Türen (auch oft die Tür zum Vorstellungsgespräch) und liefert wertvolle Informationen über die Stelle und die Anforderungen des gesuchten Kandidaten.

Für Initiativbewerbungen ist ein vorheriges Telefongespräch sogar Pflicht!

Für ein Telefonat ist es notwendig, gut vorbereitet zu sein. Wichtig ist es, am Anfang des Telefongespräches mit dem Personalfachmann höflich anzufragen, ob dieser Zeit hat für ein Gespräch. Falls nicht, sollte ein Telefon-Termin vereinbart werden. Kein Personaler will Werbesätze hören, statt dessen einen kurzen Überblick über die Qualifikationen des Kandidaten. Dies will vor dem Telefonat vorbereitet sein.

Hier eine kurze Checkliste der Vorbereitungen:

  • Welche Informationen möchten Sie erhalten?
  • Kurzer Überblick über Ihren Werdegang/Qualifikationen/Fähigkeiten (maximal fünf Sätze) entwerfen
  • Mögliche Termine für ein weiteres Telefongespräch bereithalten
  • Telefonieren Sie nur an Tagen, an denen Sie gut drauf sind, Spaß am Selfmarketing haben und optimistisch an das Gelingen Ihrer Pläne glauben.
  • Ungestörtes Telefonieren ermöglichen (kein Handy!)
  • Telefongespräch vorher trainieren - mit oder ohne Gesprächspartner
  • Informationen über das Unternehmen recherchieren
  • Schriftliche Unterlagen über den eigenen Werdegang bereithalten
  • Antworten vorbereiten zu: Was können Sie?, Was wollen Sie?, Warum wollen Sie sich dort bewerben?
  • Papier und Stift bereithalten
  • Entwickeln Sie einen Gesprächsleitfaden

 

Kurz vor dem Telefonat:

  • Telefonregel Nr. 1 - Lächeln Sie!! Sie entspannen sich dabei, Ihre Stimme erhält einen angenehmeren Wohlklang und Sie können sich selbst positiv „programmieren“.

Während des Telefongespräches helfen folgende Tipps:

  • Im Stehen telefonieren gibt mehr Selbstsicherheit.
  • Sprechen Sie klar und deutlich.
  • Nennen Sie Ihren Namen klar und deutlich, damit er notiert werden kann.
  • Merken bzw. notieren Sie sich die Namen Ihrer GesprächspartnerInnen, damit Sie sich später auf das geführte Telefonat beziehen können: Lassen Sie sich notfalls den Namen buchstabieren.
  • Sprechen Sie Ihren Gesprächspartner möglichst gleich mit Namen an. Nichts gehört so sehr zur Persönlichkeit, wie der eigene Name - aber im weiteren Gesprächsverlauf nicht übertreiben.
  • Fragen Sie den Personaler, ob ein Gespräch möglich ist, ansonsten Ausweichtermin
  • Höflichkeit und Freundlichkeit zu jedem Zeitpunkt! Lassen Sie Wertschätzung „hören“!
  • Seien Sie freundlich, aber gleichzeitig bestimmt in Ihrem Auftreten (Stimme), damit Sie nicht gleich abgewiesen werden.
  • Benutzen Sie die in Personalabteilungen üblichen Termini, wie Vakanzen oder Personalrecruitment. Formulieren Sie besser Position statt Job, Einstiegsposition statt BerufsanfängerIn.
  • Hören Sie Ihrem Gesprächspartner zu und geben Sie ihm Zeit zu antworten
  • Versuchen Sie durch eine geschickte Gesprächsführung herauszufinden, worauf Ihre GesprächspartnerInnen besonders Wert legen, um diese Punkte bei Ihrer Bewerbung besonders herauszustellen.
  • Wahren Sie die Form und bleiben Sie sachlich. Im Übrigen gilt: Erweitern Sie beim Telefonieren Ihre Frustrationstoleranz, denn nicht immer werden Sie nett und freundlich behandelt - aber man ist auch nicht ständig unfreundlich. Denken Sie daran, dass es kaum Ihnen persönlich gilt, da man Sie ja in der Regel nicht kennt.
  • Verabschieden Sie sich freundlich und lächeln wiederum dabei.

 

Im Anschluss finden Sie eine Telefonatstruktur für ein Telefonat eines Elektrikers mit einem potenziellen Arbeitgeber.

Einstieg

Lächeln!

 

Grüß Gott / Guten Tag, ich bin Frau/Herr ….

Ich habe Ihre Anzeige gelesen und bin an der (ausgeschriebenen) Stelle als Elektriker (sehr) interessiert.

 

Hauptteil

Ich bin gelernter Elektriker und habe 5 Jahre Berufserfahrung im Bereich Haustechnik, speziell in der Klima- und Lüftungstechnik gesammelt. Vorher habe ich als ... (Tätigkeiten / Aufgabenbereiche rückwärts chronologisch) Erfahrungen sammeln können.

Bevor ich mich bei Ihnen schriftlich bewerbe, hätte ich noch ein paar / fünf Fragen:

Beispiele:

  • Wie viele Mitarbeiter hat Ihr Betrieb und wie groß sind die Teams?
  • Wo liegen die Schwerpunkte in Ihrem Betrieb?
  • Wird in Ihrem Betrieb mit WSCAD gearbeitet?
  • Sind für Gewerbebauten auch Stahlbauzeichnungen erforderlich, da ich gelernter Elektriker bin?
  • Wie groß ist das Einzugsgebiet. Ist Außendienst vorgesehen?

 

Interessant ist für mich (auch), ob ich ausschließlich auf WSCAD arbeiten würde oder welches andere System Sie in Ihrem Haus einsetzen. Über meine Gehaltsvorstellungen möchte ich mich mit Ihnen persönlich unterhalten. (Antwort auf die Frage nach Ihren Gehaltswünschen bzw. wenn danach in der Stellenanzeige gefragt wird) Herr X, das was Sie mir über die Stelle erzählt haben, hört sich für mich sehr gut an / hat mein Interesse an der Stelle noch verstärkt. Ich möchte mich gerne bei Ihnen persönlich vorstellen. Ist es Ihnen am Dienstag um 9.30 Uhr recht oder passt es Ihnen am Donnerstag um 15 Uhr besser? Kann ich die Bewerbungsunterlagen zu Ihren Händen schicken?

 

Schluss

Vielen Dank für das (informative / interessante) Telefongespräch. Wie besprochen sende ich Ihnen meine Bewerbungsunterlagen. Ich freue mich auf unser gemeinsames Gespräch am ... um ... Uhr in Ihrem Hause. ... (Ich wünsche Ihnen) noch einen schönen (Arbeits-)tag, Herr X, (und) auf Wiedersehen/-schauen. Lächeln nicht dabei vergessen!

 

Behandlung von Einwänden am Telefon:

  • „Wir haben schon einen Praktikanten/Umschüler.“
    • Trotzdem Praktikum/Umschulung?
    • Bewerbung schicken, falls noch Möglichkeit?
    • Kennen Sie jemanden, der noch sucht/Praktikanten einsetzt/ausbildet?

 

  • „Mit Praktikanten haben wir schlechte Erfahrungen gemacht.“
    • Das tut mir leid – wenn Sie mir die Gelegenheit bieten, kann ich Sie (vielleicht) vom Gegenteil überzeugen.

 

  • „Ich weiß (noch) nicht, ob ….“    „kann ich Ihnen noch nicht sagen.“
    • Kann/Darf ich noch einmal nachfragen?
    • Bewerbung schicken, damit eine Mappe vorliegt, wenn die Entscheidung fällt?

 

  • „Wir nehmen keine Praktikanten/Umschüler!“
    • Darf ich fragen warum?
    • Wäre doch eine interessante Gelegenheit, dieses Modell einmal kennenzulernen!
    • Zur Zeit nicht oder überhaupt nie?

 

  • „Ja, klar. Können wir machen“ (Positiv)
    • (Wann) kann ich meine Bewerbung/Unterlagen bringen?
    • Welche Unterlagen benötigen Sie/möchten Sie haben?

 

  • „Na, gut. Sie können ja mal eine Bewerbung schicken.“ (Abwimmelnd)
    • An wen genau? Wie ist Ihr Name? (evtl. buchstabieren lassen)
    • Welche Unterlagen möchten Sie haben?
    • Darf ich Ihnen die Unterlagen persönlich vorbeibringen?

 

  • „Wir haben keine Stelle frei.“ „Wir entlassen!“
    • Kennen Sie ein anderes Unternehmen an das ich mich wenden kann?
    • Das tut mir leid!

 

  • „Habe im Moment keine Zeit….!“   „Bin auf dem Weg zu einem Termin.“
    • Wann darf ich Sie noch einmal anrufen?
    • Wann würde es Ihnen besser passen?
    • Darf ich Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal telefonisch kontaktieren?

Wie bereite ich eine telefonische Rückfrage vor?

Häufig sind in Stellenanzeigen ein Ansprechpartner und eine Telefonnummer für Rückfragen angegeben. Wenn Sie dieses Angebot nutzen, kommt dies einer telefonischen Vorabbewerbung gleich. Beachten Sie diese Regeln:

  • Rufen Sie nicht spontan an!
  • Am besten bereiten Sie sich gut vor und notieren sich, welche konkreten Fragen Sie zur Bewerbung haben.
  • Sofern ein Ansprechpartner angegeben ist, sprechen Sie nur mit der angegebenen Person über Ihre Bewerbung.
  • Fragen Sie nichts, was bereits in der Anzeige beantwortet wird.
  • Machen Sie sich bewusst, dass Sie eventuell nicht der einzige Anrufer sind.
  • Schonen Sie die Nerven Ihres potenziellen Vorgesetzten oder Personalchefs.
  • Holen Sie sich einen "Aufhänger" zu Ihrem Anschreiben für Ihre schriftliche Bewerbung.
  • Stellen Sie eine fachlich auf die Position bezogene Frage. Wenn es zum Beispiel um eine Position im Vertrieb geht, fragen Sie nach der Anzahl der zu betreuenden Kunden. Stellen Sie die Frage so, dass Sie eine zusätzliche Information zur Position bekommen, die nicht nebensächlich ist.
  • In jedem Fall schaffen Sie einen Aufhänger für Ihr Anschreiben: Wenn Ihr Gesprächspartner die Frage nicht beantworten kann oder will, können Sie in Ihrem Anschreiben die Frage neu aufgreifen. Mit dem Beispiel Vertrieb: "... In einem persönlichen Gespräch würde ich gerne noch meine Fragen zur Kundenstruktur klären ...".

 

Wenn Sie eine Antwort bekommen haben, machen Sie im Anschreiben deutlich, dass Sie mit dieser Information etwas anfangen können: "... bei der von Ihnen genannten Kundenzahl scheint mir eine 4-wöchige Besuchsfrequenz sinnvoll. Mit dieser Betreuungsmethode bin ich vertraut ..." Quittieren Sie das Gespräch positiv. Zum Beispiel: "Nach unserem Gespräch bin ich sicher, dass ich mich bei Ihnen bewerben will. Meine Unterlagen werde ich Ihnen noch heute/bis zum ... zusenden".

Stolpersteine beim Telefoninterview

Trotz optimaler Vorbereitung kann es während des Telefoninterviews immer noch zu Unmengen von Peinlichkeiten und Stolpersteinen kommen.

Gegen fast alles kann man sich bereits im Vorfeld schützen: Für den Fall, dass genau zu dem Zeitpunkt des Bewerbungsgesprächs die Nachbarin bei ihnen Sturm klingelt, weil ihr der Zucker ausgegangen ist, stellen Sie die Klingel aus und suchen Sie einen ruhigen Raum auf.

Nachdem die äußere Ruhe nun also gewährleistet zu sein scheint, wartet schon der nächste Stolperstein:

Sollten Sie nicht zufällig Müller oder Schulze heißen, kann es vorkommen, dass Ihr Gesprächspartner Sie bittet, Ihren Namen zu buchstabieren. Das Buchstabieren macht nicht nur einen guten Eindruck, sondern ist auch überall bekannt und anerkannt.

Beherrschen Sie diese Form des Buchstabierens, wird der Personalleiter am anderen Ende der Leitung verstehen, ohne mehrfach nachzufragen und ein reibungsloser Ablauf des Telefongesprächs ist sichergestellt:

A

=

Anton

B

=

Berta

C

=

Caesar

D

=

Dora

E

=

Emil

F

=

Friedrich

G

=

Gustav

H

=

Heinrich

I

=

Ida

J

=

Julius

K

=

Konrad

L

=

Ludwig

M

=

Martha

N

=

Nordpol

O

=

Otto

P

=

Paula

Q

=

Quelle

R

=

Richard

S

=

Siegfried

T

=

Theodor

U

=

Ulrich

V

=

Viktor

W

=

Wilhelm

X

=

Xaver

Y

=

Ypsilon

Z

=

Zürich

Ä

=

Ärger

Ö

=

Österreich

Ü

=

Übel

ß

=

scharfes s

Sch

=

Schule

Ch

=

Chor

Ph

=

Pharao

Nachdem nun also auch die zweite Hürde genommen ist, kommt schon das nächste Problem auf Sie zu:

Wie verhalten Sie sich, wenn Ihr Gegenüber Ihnen eine Frage stellt, die Sie im Moment nicht beantworten können, weil Sie nicht darauf vorbereitet sind oder vielleicht die Frage nicht verstehen?

Verlieren Sie nicht die Beherrschung, wenn Sie mit Fragen bombardiert werden, sondern bleiben Sie ehrlich und versuchen Sie, sich nicht herauszuwinden. Es kann durchaus sein, dass dies zur Taktik Ihres Gesprächspartners gehört.

Die Initiativbewerbung

 

Da lange nicht mehr alle vakanten Stellen ausgeschrieben werden, zahlt sich Initiative im Vorfeld aus. Allerdings haben Initiativ- und Blindbewerbungen nur eine Gemeinsamkeit: Die Bewerbung wird nämlich ohne eine öffentliche Stellenausschreibung an ein Unternehmen versandt. Bei Blindbewerbungen handelt es sich jedoch üblicherweise um Massenrundschreiben mit ähnlichem Text, die unaufgefordert an Unternehmen verschickt werden.

Bei der Initiativbewerbung hat sich der Bewerber dagegen im Vorfeld über das Unternehmen informiert, den Personalbedarf sondiert, allgemeine Informationen über das Unternehmen recherchiert und den Namen des Empfängers in Erfahrung gebracht.

Große Unternehmen freuen sich darüber, dass durch Initiativbewerbungen Engagement und Motivation deutlich werden, ganz besonders bei Hochschulabsolventen und Young Professionals. Aber auch kleinere Unternehmen kalkulieren Initiativbewerbungen bei ihrer Personalplanung ein und schreiben die Stellen deswegen nicht aus.

Zur Bewerbungsstrategie gehört notwendigerweise auch immer die Initiativbewerbung, d. h. die unaufgeforderte Zusendung von Bewerbungsunterlagen. Diese Form der Bewerbung ist mit mehreren Vorteilen verbunden:

  • Ihre Bewerbung steht in keiner oder nur geringer Konkurrenz,
  • Sie demonstrieren Engagement, Initiative und Motivation,
  • Sie müssen bei der Formulierung Ihrer Qualitäten nicht die Anforderungen einer Stellenanzeige berücksichtigen, sondern können sich so präsentieren, wie es Ihnen am vorteilhaftesten erscheint,
  • Selbst wenn derzeit kein Personalbedarf besteht, wird der Personalverantwortliche - wenn Sie ihn mit Ihrer Bewerbung überzeugt haben - unter Umständen Ihre Bewerbung in der Wiedervorlage belassen.

 

Führen Sie vor jeder Initiativbewerbung ein Telefongespräch mit der Personal- oder auch Fachabteilung des Unternehmens, um:

  • eventuell den Personalbedarf vorab zu sondieren;
  • den Namen des Empfängers Ihrer Bewerbung in Erfahrung zu bringen;
  • allgemeine Informationen über das Unternehmen zu recherchieren.

 

Die Initiativbewerbung entspricht in Form und Aufbau der üblichen Bewerbung um eine konkret ausgeschriebene Stelle. In Bezug auf die Bewerbungsmappe gibt es keine grundsätzlichen Unterschiede. Nur das Anschreiben selbst unterliegt anderen Anforderungen:

  • Die Initiativbewerbung sollte sich stets an einen konkreten Adressaten richten. Deshalb müssen Sie den Namen des Empfängers in Erfahrung bringen.
  • Das Anschreiben sollte eine (knappe) Antwort auf die folgenden fünf Fragen geben:
    • Wer und was sind Sie?
    • Was machen Sie beruflich?
    • Was haben Sie zu bieten?
    • Was suchen Sie konkret?
    • Warum interessieren Sie sich gerade für dieses Unternehmen?

 

Vor allem die Beantwortung der letzten Frage verlangt eine umfassende Recherche Ihrerseits. Wichtige Informationen, die Sie für eine Initiativbewerbung benötigen, finden Sie auch im Bereich "Arbeitgeber A-Z", auf den Firmenhomepages selbst sowie in Beiträgen von Fachzeitschriften usw.

Die Kreativ-Bewerbung

Unter Kreativ-Bewerbungen versteht man außergewöhnliche Bewerbungen, also Bewerbungen, die sich durch Aufmachung und Aussehen von der Masse der sonstigen klassischen Bewerbung deutlich abhebt und sofort dem Arbeitgeber ins Auge springt.

Solch eine Kreativ-Bewerbung muss aber nicht zwangsläufig beim Arbeitgeber positiv ankommen.

Achten Sie aber zwingend darauf, dass Sie sich nicht eher verstellen, als vorstellen!

Szenario 1:
Was passiert, wenn ein Bewerber, ein Software-Ingenieur, eine Bewerbungsmappe mit einem Bewerbungsfoto an Siemens versendet, auf dem er mit einem T-Shirt und dem T-Shirt-Logo des Unternehmens posiert? Auf dem T-Shirt steht. „Ich würde gut zu Ihnen passen“ Und der Bewerber steht genau vor dem Unternehmen, mit der Firmenzentrale im Hintergrund.

Szenario 2:
Was passiert, wenn eine Marketing-Managerin für Kosmetik-Produkte Ihre Bewerbungsmappe in einer Verpackung der Firma versendet? Im Anschreiben der Hinweis, dass der ehemalige Inhalt der Verpackung das bevorzugte Produkt der Bewerberin ist.

Szenario 3:
Was passiert, wenn ein Bewerber seine Bewerbungsmappe mit einem Ziegelstein zusammen an den potenziellen Arbeitgeber schickt, dabei im Anschreiben der Hinweis auf den Stein und der Spruch: „Ich habe nun ein Stein bei Ihnen im Brett“. Oder das gleiche Szenario, nur anstatt des Ziegelsteins ein alter/neuer Schuh und der Spruch: „Ich habe nun bei Ihnen den Fuß in der Tür“.

Szenario 4:
Was passiert, wenn ein Bewerber seine Bewerbungsmappe bunt (Zeichen oder Blätter), in einem anderen Format (nicht DIN A4), den Versandumschlag mit Konfetti, Rosenblätter, etc, füllt (die natürlich beim Öffnen herausfallen), mit Düften oder sogar Zigarettenrauch bestäubt?

Glauben Sie nicht? Ist aber alles schon passiert. Die Frage ist, geben kreative Bewerbungen der Bewerbung und somit dem Bewerber mehr Chancen auf den Job oder das Vorstellungsgespräch? Sind Bewerbungen mit Aha-Effekt wirklich besser als der Standrad? Die Antwort lautet: jein. Richtig ist, dass kreative Bewerbungen aus der Rolle fallen und sich von den konventionellen Bewerbungen abheben. Sie werden auf jeden Fall stärker beachtet – im ersten Moment. Ob diese Bewerbungen dann aber die 1. Runde im Selektionsprozess überstehen, hängt von den folgenden Kriterien ab:

  • Größe, Unternehmenskultur und Produkte des Unternehmens
  • Position und Aufgaben der zu besetzenden Stelle
  • Aufmachung und Passgenauigkeit der kreativen Bewerbung zu der
    Position und Aufgabe
  • Stellenbeschreibung der zu besetzenden Stelle
  • Persönlichkeit des Personalverantwortlichen und der HR-Abteilung

Die Bewerberin im Szenario 2 hat hier womöglich bessere Chancen als ihre

Mitbewerberinnen. Sie stellt einen positiven und direkten Bezug zwischen sich, einem unternehmenseigenen Produkt und dem Unternehmen selbst her. Das wirkt erfrischend. Auch zu der Position als Marketing–Managerin passt eine Aktion die Stimmung für eine Produkt mach. Wenn nun auch noch die anderen drei Faktoren der oben genannten Liste passen, hat die Bewerberin gute Chancen zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

Note der kreativen Bewerbung: 2+
Was ist mit dem Szenario 1 und 3? Hier kann jedem Bewerber nur geraten werden, genau abzuwägen, ob so eine Bewerbung wirklich zum Unternehmen, der Position, dem Aufgabenbereich und der eigenen Persönlichkeit passen. Wir kennen nur seltne Fälle, in den diese Art der kreativen Bewerbung erfolgreich war.

Note der kreativen Bewerbung: 4-
Auch in Szenario 4 können sich negative Einflüsse bemerkbar machen. Was passiert, wenn dem Personalmitarbeiter, die Konfettis auf den Boden fallen und er nun diese vom Teppich langwierig aufsuchen muss. Oder den Duft als unangenehm empfindet. Das kann das aus für die Bewerbung sein. Gerade in einem konservativen Unternehmen wird darauf geachtet, dass die Bewerbung nicht zu sehr aus dem Rahmen fällt.

Regeln für eine kreative Bewerbung:

  • Besonders extravagant oder eher dezent kreativ hängt vom Unternehmen, Beruf, Aufgabebereich und der Bewerberpersönlichkeit ab
  • Die kreative Bewerbung muss einen einfach zu verstehenden Bezug zum Unternehmen haben. Denken Sie sich dafür in das Unternehmen herein
  • Die kreative Bewerbung muss Sie souverän und kompetent wirken lassen und darf nicht abgeschrieben klingen – sie sollte als „ehrliche“ Bewerbung verstanden werden
  • Kreative Bewerbungen sind erwünscht in kreativen Berufen und Branchen, wie Werbung, Agenturen, Marketing, Public Relations, Medien, Presse, etc.
  • Eine kreative Bewerbung sollte den eigentlichen Nutzinhalt der Bewerbungsunterlagen die im Anschreiben, Lebenslauf, etc. enthalten sind, nicht überdecken und nicht davon ablenken
  • Je konservativer die Branche, desto klassischer die Mappe

Gute Beispiele für kreative Bewerbungen:

  • Sekretärin für den Bereichsleiter:
    Besonders gestaltete Klappkarte oder Flyer mit Kurzinformationen zum Bewerber
  • Software-Programmierer:
    Multimedial gestaltete Visitenkarten-CDROM als Bewerbungen. Auf der CDROM können Arbeitsproben, erstellten Programmen, etc. des Bewerbers enthalten sein.
  • Sachbearbeiter in einem CD-Press-Unternehmen:
    Bewerbungsmappe in Form einer Juwel-Case (CD-Hülle) und einem erstellten Booklet
  • Angestellte in einem Restaurant:
    Bewerbungsmappe aufgemacht als Speisekarte mit den Anschreiben, Lebenslauf, etc. als die Einlagen der Speisekarte.
  • Bewerbung als Web-Entwickler:
    Bewerbungsmappe als Homepage mit der Möglichkeit die Unterlagen herunter zu laden. Dem Unternehmen sollte man anbieten, die Bewerbung auf Wunsch auch als normale Papierversion bereits zu stellen.

Praxistipp: Spätestens zum Vorstellungsgespräch sollten Sie mit einer klassischen Bewerbungsmappe mit allen Unterlagen und Anlagen aufwarten.

Quelle: www.bewerben.de/informationen/kreative_bewerbung.htm

Wenn Sie sich schon für eine Kreativ-Bewerbung entschließen, sollten Sie sich vorher über das Unternehmen ganz genau informieren und ihre Kreativ-Bewerbung auf dieses Unternehmen abstimmen.

Beispiel1:

Sie möchten sich bei einer Kneipe als Kellner/in bewerben.

Besuchen Sie doch vorher einmal ihren Arbeitgeber inkognito und schauen sich das Lokal an. Eine Speise- bzw. Getränkekarte aus Pappe kann man unbemerkt mitnehmen und daraus eine Kreativ-Bewerbung gestalten, indem Sie ihr Anschreiben, Lebenslauf etc. in genau den Farben und Muster der Speise- bzw. Getränkekarte anpassen und in diese sauber einarbeiten. Wenn Sie dann noch ihre Bewerbung dem Chef persönlich überreichen, sehen die meisten Chefs über eine Entwendung ihrer Speise- bzw. Getränkekarte hinweg, solange es sich dabei um keine hochwertig gestalteten Speise- und Getränkekarten handelt, und sind meistens begeistert von so viel Kreativität. Der Arbeitgeber wird dadurch auch bemerken, dass sie sich schon im Vorfeld des Bewerbungsgespräches intensiv mit seinem Unternehmen beschäftigt und identifiziert haben. Eine bessere Visitenkarte können Sie bei einem potentiellen Arbeitgeber nicht hinterlassen

Beispiel2:

Eine im Frühjahr oder Sommer gestaltete Weihnachtsmotiv-Bewerbung mit dem Spruch „Ich bin meiner Zeit voraus“ kann durchaus auch auf Interesse an Ihrer Person stoßen. Allerdings sollten Sie dabei über eine gehörige Portion Selbstvertrauen verfügen, zumal man Sie mit großer Sicherheit fragen wird, weshalb Sie Ihrer Zeit voraus sind. Dann heißt es für Sie, ihre eigene Aussage mit guten Argumenten fundiert zu untermauern.

Das anonymisierte Bewerbungsverfahren

 

Bewerbungen ohne Foto, Name, Alter, Geschlecht, Herkunft und Familienstand: Das Modellprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes "Anonymisierte Bewerbungsverfahren" ist am 25.11.2010 offiziell gestartet. Für je 12 Monate werden Deutsche Post, Deutsche Telekom, L´Oréal, Mydays, Procter & Gamble, das Bundesfamilienministerium, die Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen und die Stadtverwaltung von Celle neue Wege der Mitarbeiterrekrutierung ausprobieren. Eine Mehrheit in der Bevölkerung steht hinter der Idee von anonymisierten Bewerbungen, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag der ADS ergab. Demnach finden es 56 Prozent der Befragten gut oder sehr gut, wenn Unternehmen mit anonymisierten Bewerbungen rekrutieren.

Beim Modellprojekt werden mehrere Tausend Bewerbungen für rund 225 Arbeits-, Ausbildungs- und Studienplätze anonymisiert. Die Stellen reichen von der Lehrlingsausbildung über zu vergebende Studienplätze bis hin zu technischen Berufen oder Jobs im Kundenservice. Die Anonymisierung bezieht sich dabei allein auf die erste Phase der Bewerbungsverfahren, vor der Einladung zum Bewerbungsgespräch. Hier wird auf persönliche Angaben und Fotos verzichtet, um den Fokus auf Fähigkeiten und Kompetenzen der Bewerberinnen und Bewerber zu lenken. Das Projekt wird während der gesamten Zeit wissenschaftlich begleitet.

Ein kurzer Blick auf den Namen, das Geschlecht oder das Alter genügt in vielen Fällen, um eine Bewerbung auszusortieren: Vor allem Menschen mit Migrationshintergrund, ältere Arbeitsuchende und Frauen mit Kindern werden in Bewerbungsverfahren oft benachteiligt. Sie haben deutlich schlechtere Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Das belegen zahlreiche Studien und die Beratungserfahrung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS).

Zuletzt hat eine beim Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) erschienene Studie belegt, dass allein die Angabe eines türkischen Namens ausreicht, die Chance auf ein Vorstellungsgespräch um 14 Prozent zu senken, in kleineren Unternehmen sogar um 24 Prozent. An die ADS wenden sich außerdem häufig allein erziehende Frauen und Menschen über 50 Jahre, die wegen ihres Familienstandes oder ihres Alters benachteiligt werden. Das ist ungerecht. Hier wird qualifizierten Menschen die Chance auf den Jobeinstieg verweigert. Und es ist wirtschaftlich schädlich. Denn vielfältige Teams arbeiten nachweislich besser und erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit.

Eine Möglichkeit, gegen die bewusste oder unbewusste Benachteiligung bestimmter Personengruppen vorzugehen, sind anonymisierte Bewerbungsverfahren. Ausgehend von guten Erfahrungen in anderen Ländern hat die unabhängige Antidiskriminierungsstelle des Bundes im November 2010 ein deutschlandweites Modellprojekt gestartet, in dem verschiedene Unternehmen, Behörden und Kommunen anonymisierte Bewerbungsverfahren testen.

Wie funktionieren Bewerbungsverfahren ohne persönliche Angaben?

Wichtig ist, dass die Einladung zum Vorstellungsgespräch ausschließlich aufgrund der Qualifikation erfolgt. Bei anonymisierten Bewerbungen wird daher zunächst auf ein Foto der sich bewerbenden Person, ihren Namen, die Adresse, das Geburtsdatum oder Angaben zu Alter, Familienstand oder Herkunft verzichtet. Abgesehen davon können alle üblichen Informationen abgefragt werden, wie etwa Berufserfahrung, Ausbildung, Motivation, usw. An dieser Stelle gibt es keinen signifikanten Unterschied zu herkömmlichen Lebensläufen – außer dem Verzicht auf Jahreszahlen. In der ersten Auswahlrunde wird der Blick der Personalerinnen und Personaler ausschließlich auf die Qualifikation der Bewerbenden gelenkt. In der zweiten Phase, wenn die Einladung zum Vorstellungsgespräch ausgesprochen ist, erhalten Personalerinnen und Personaler vollständige Unterlagen mit persönlichen Angaben und können sich auf das Gespräch vorbereiten. Sie sitzen also nicht – wie oft angenommen wird – vor einer ihnen völlig unbekannten Person.

Wie können Unternehmen anonymisierte Bewerbungen umsetzen?

Es gibt verschiedene Methoden. Die Anonymisierung muss an die bisherigen Bewerbungsverfahren im Unternehmen angepasst werden. Je nach Arbeitsbereich kann das sehr unterschiedlich aussehen. In unserem Modellprojekt werden sämtliche Anonymisierungsmethoden getestet und auf ihre Tauglichkeit geprüft.

Grundsätzlich gibt es drei Varianten:

  • anonymisierte Online-Bewerbungsbögen, die passgenau die Kompetenzen, Qualifikationen und Motivation erfassen, die für die Arbeitgeber wichtig sind,
  • einheitliche, anonymisierte Bewerbungsformulare, die Bewerberinnen und Bewerber per Download, E-Mail oder Post erhalten und ausgefüllt zurückschicken und
  • die nachträgliche Anonymisierung der herkömmlichen Bewerbungsunterlagen (durch Schwärzen oder Übertragen von Daten).

Wie sieht es im internationalen Vergleich aus?

Viele europäische Länder haben bereits Erfahrungen mit anonymisierten Bewerbungsverfahren gesammelt. Ergebnisse eines Modellversuchs in Schweden haben zum Beispiel gezeigt: Lässt man persönliche Angaben weg, haben Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund deutlich bessere Einstiegschancen. In Ländern wie den USA oder Kanada sind anonymisierte Bewerbungen längst gang und gäbe und auch in Belgien sind sie seit Jahren Standard im öffentlichen Sektor. Deutschland hinkt bei diesem Thema bislang hinterher.

Ziele des Pilotprojekts

Natürlich bieten anonymisierte Bewerbungen keinen hundertprozentigen Schutz vor Benachteiligungen. Aber sie können dabei helfen, Diskriminierung abzubauen. Statistisch gesehen findet Diskriminierung vor allem in der ersten Phase von Bewerbungsprozessen statt, also vor der Einladung zum Vorstellungsgespräch. Bekommen Bewerbende erst einmal die Chance, im persönlichen Gespräch zu überzeugen, verliert manches Vorurteil seine Kraft. Bei anonymisierten Bewerbungsverfahren geht es um diese erste Chance. Sie können außerdem helfen, neue Bewerbergruppen zu erschließen und sicherzustellen, dass Unternehmen die qualifiziertesten Bewerberinnen und Bewerber zum Vorstellungsgespräch einladen.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes setzt daher auf Freiwilligkeit und Überzeugung, nicht auf gesetzliche Regelungen. Sie will Unternehmen anregen, ihre bisherige Bewerbungskultur zu überdenken. Das Modellprojekt wird während der gesamten Dauer wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Aus den Ergebnissen werden Handlungsempfehlungen abgeleitet.

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