Das Vorstellungsgespräch

 

„Zwei Dinge sind schädlich für jeden, der die Stufen des Glücks will

ersteigen: Schweigen, wenn die Zeit ist zu reden, und Reden, wenn die

Zeit ist zu schweigen!
Friedrich M. von Bodenstedt, deutscher Schriftsteller

 

Cool und gut vorbereitet - Erfolgreich im Vorstellungsgespräch

Das Vorstellungsgespräch ist wie eine Prüfung – Bewerber müssen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. „Positive Anspannung, eine Art Lampenfieber, sollte vor dem Gespräch da sein“. „Man sollte sie auch nicht verleugnen.“ Wer im Vorstellungsgespräch sitzt, hat schon einige Verantwortliche im Unternehmen überzeugt. „Bewerber, die zum Gespräch eingeladen sind, haben mit ihren Bewerbungsunterlagen die erste Hürde bereits bewältigt“. Seien Sie dabei so locker wie möglich und so reserviert wie nötig.

Recherche und Information gehören zur Vorbereitung

Dabei hilft, gut vorbereitet in das Gespräch zu gehen. „Recherche und Information sind die wichtigsten Bestandteile der Vorbereitung.“

Der Bewerber sollte das Unternehmen einordnen können und über die ausgeschriebene Position und deren Aufgabenbeschreibung Bescheid wissen. „Informationen dazu kann man leicht über das Internet finden.“ Auch das wiederholte Lesen der Stellenanzeige kann neue Erkenntnisse bringen – die Chancen stehen besser, wenn das eigene Profil und die gestellten Anforderungen gut zusammenpassen. „Man sollte mit einer klaren Vorstellung ins Vorstellungsgespräch gehen – das allerdings geht besser, wenn die Anzeige deutlich formuliert ist“. Niemals sollte ein Bewerber in ein Gespräch gehen, ohne vorher alle Möglichkeiten ausgelotet zu haben.

Die Fragen der Personaler sind dazu da, dem Bewerber auf den Zahn zu fühlen und Informationen zu bekommen, die nicht aus den Unterlagen hervorgehen. „Man sollte sich damit auseinandersetzen, welche Fragen gestellt werden können“. Bewerbungsratgeber können dabei eine Hilfe sein – allerdings sollte man sie nicht auswendig lernen. „Darin geht es immer um Standardsituationen“.

Wichtig sei, authentisch zu wirken. „Man sollte bei einigen Fragen, etwa denen nach Stärken und Schwächen, auf Nummer sicher gehen“. „Doch man sollte nicht versuchen, eine Person darzustellen, die man nicht ist“.

Wichtig für das Wohlfühlen in einem Vorstellungsgespräch sind Kleidung und Verhalten. „Man sollte sich nicht verkleiden und nichts anziehen, das man vorher noch nicht anhatte“. Lieber ein bisschen zu schick als zu leger – gerade wenn man einen Job mit Kundenkontakt im Außendienst oder Verkauf anstrebt. „Mit Hemd und Krawatte macht man nichts falsch, Frauen im Kostüm auch nicht“.

Die Gepflogenheiten in der Branche sollte der Bewerber dabei beachten – für eine herausgehobene Stellung in einer Bank braucht es einen anderen Zwirn als für eine Texter-Position in einer Werbeagentur. Gut fühlen, gut aussehen, gut riechen – und alles in einem Maß, das sympathisch macht. Auch zu viel Schmuck und zu grelle Farben irritieren nur.

Auch die Umgangsformen sollten stimmig sein: „Höflich sollte man sein und immer den Gesprächspartner anschauen“. Wer allzu nervös ist, kann in gestenreicher Kommunikation Dampf ablassen. „Aber nicht mediterran“. Dennoch: das Gestikulieren, so es zum Typus des Bewerbers passt, wirkt dynamisch. „Und man kann etwas mit seinen Händen machen – man muss sie nicht in den Taschen verstecken oder nervös kneten.“

Ihre Persönlichkeit entscheidet

Wenn Sie eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erhalten haben, dann können Sie sich zunächst einmal ein bisschen feiern. Sie haben die vielleicht schwierigste Hürde im Rennen um einen Arbeitsplatz souverän gemeistert und die Masse der Mitbewerber hinter sich gelassen. Zum kleinen Kreis der Auserwählten gehören nur etwa 10 Prozent aller Bewerber.

Gerade im Bewerbungsgespräch sind wieder Ihre Marketingtalente gefragt. Im Grunde handelt es sich für beide Seiten um ein Verkaufsgespräch. Jetzt hat der Bewerber die Chance, weitere Informationen zum neuen Arbeitsplatz, zum Arbeitsumfeld, zur Firmenkultur und Ihren Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen zu erhalten.

Die Aufgabe Ihres Gesprächspartners ist es, herauszufinden, welchen Mehrwert er für sein Unternehmen erzielt, wenn er sich für Sie entscheidet. Natürlich kommt es auch im persönlichen Gespräch wieder auf Faktoren wie Fachkompetenz und bisherige Praxiserfahrungen an.

Wesentlich relevanter ist allerdings die menschliche Seite des zukünftigen Mitarbeiters. Schließlich bewerben Sie sich nicht nur um einen Job, sondern auch um die Position in einem Team. Deshalb hängt die Entscheidung für oder gegen einen Bewerber zu etwa 80 Prozent von der Persönlichkeit bzw. charakterlichen Eignung ab.

Um den Sympathiebonus, den Sie mit Ihren Bewerbungsunterlagen erworben haben, nicht zu gefährden, ist es wichtig, dass Sie sich nach Erhalt des Einladungsschreibens umgehend bei Ihrem Ansprechpartner bedanken und den Termin bestätigen.

Das können Sie entweder telefonisch oder schriftlich machen:

  • Rechnen Sie bei der Terminbestätigung via Telefon damit, dass Ihnen Ihr Ansprechpartner noch einige Fragen zu Ihrer Person stellt.
  • Falls Sie den Termin für das Vorstellungsgespräch schriftlich bestätigen, schreiben Sie bitte einen kurzen Text, in dem Sie Termin, Zeit und Ort wiederholen. Erneuern Sie dabei auch noch einmal Ihr Interesse, Ihren Beitrag zum Erfolg des Unternehmens zu leisten.
  • Wenn Sie aus wirklich wichtigen Gründen zu dem genannten Termin nicht erscheinen können, bitten Sie um einen Ausweichtermin.

 

Mit der Einladung zum Bewerbungsgespräch ist deutlich geworden, dass Sie prinzipiell die gewünschten Anforderungen des Unternehmens erfüllen. Jetzt steht Ihnen allerdings die Kür des Bewerbungsverfahrens bevor. Und auch hier gilt es, noch einige Klippen professionell zu umschiffen.

Damit Ihnen ein eindrucksvoller und souveräner Auftritt gelingt, sind zwei Kernbereiche eines erfolgreichen Vorstellungsgesprächs zu beachten: die Vorbereitungsphase und das Vorstellungsgespräch selbst.

Die Vorbereitung

In vielen Einstellungsgesprächen wird leider bereits nach kurzer Zeit deutlich, dass sich der Bewerber - wenn überhaupt - nur völlig unzureichend über das Unternehmen informiert hat - ein deutliches Signal für Gleichgültigkeit. Selbstverständlich hat es sich in den Personalabteilungen herumgesprochen, dass sich mittlerweile der ein oder andere Bewerber nur aus Mangel an Alternativen vorstellt. Die Frage nach der Ernsthaftigkeit der Bewerbung tritt daher im Einstellungsinterview immer mehr in den Vordergrund wird hartnäckig verfolgt. Sammeln Sie auch hier Pluspunkte gegenüber Ihren Mitbewerbern, indem Sie die Motivation für Ihre Bewerbung überzeugend und gekonnt kommunizieren.

Der Unterschied zur Vorbereitung auf die schriftliche Bewerbung liegt darin, dass Sie jetzt mehr ins Detail gehen müssen. Machen Sie also vor Ihrem Vorstellungstermin eine weitere Rechercherunde.

Mit dem nötigen Hintergrundwissen verlieren auch unternehmensbezogene Fragen ihren Schrecken und Sie präsentieren sich von Ihrer besten Seite:

  • Besuchen Sie noch einmal die Homepage Ihres potenziellen Arbeitgebers. Viele Großunternehmen haben spezielle Seiten für Bewerber eingerichtet.
  • Recherchieren Sie auch nach Zeitungsberichten zu Ihrem Wunschunternehmen. Nutzen Sie die Registrierkarte „news“ bei Google oder versuchen Sie es unter „Paperball“ einem Ableger der Suchmaschine „Fireball“.
  • Die Adressen weiterer Internet-Seiten, die Ihnen bei der Suche nach Unternehmensinfos nützlich sein können, finden Sie hier.

Kleidung und Äußeres

Der erste Eindruck, den Ihr Gegenüber von Ihnen gewinnt, ist enorm wichtig. Auch von Ihrer Kleidung werden Rückschlüsse gezogen, wie Sie sich in der Arbeit verhalten würden. Grundsätzlich sollten Sie beim Vorstellungsgespräch Kleidung tragen, die dem Beruf und der Branche angepasst ist - im Zweifelsfall eher etwas konservativer als zu leger. Bei einer Bank sind nach wie vor Anzug und Krawatte angesagt, bei einer Werbeagentur darf es auch ein wenig farbenfroher und modisch-ausgeflippter sein. Die Kleidung muss sauber und ordentlich sein, die Schuhe müssen frisch geputzt sein (Portiers und Personalchefs sind dafür bekannt, dass sie immer einen Blick auf die Schuhe werfen). Freizeitkleidung wie ausgebleichte Jeans oder Turnschuhe werden Sie als Person wirken lassen, die ihren Job nicht besonders ernst nimmt, und können Ihnen sofort Minuspunkte eintragen.

 

Folgendes sollten Sie beachten:

  • Mütze abnehmen.
  • Möglichst nicht Sportschuhe anziehen.
  • Die Augen nicht hinter einer (verspiegelten) Sonnenbrille verstecken.
  • Dafür aber ruhig mal seriös und schick anziehen.

Junge Frauen sollten ihre körperlichen Reize nicht zu offen zur Schau stellen – also kein bauchfreies Top, keine durchsichtige Bluse ohne BH darunter und kein Minirock, der 30 cm über den Knien endet!

Viele Personalfachleute - ob weiblich oder männlich - reagieren darauf ablehnend.

Frisch gewaschene Haare und saubere Fingernägel sollten eine Selbstverständlichkeit sein - in jedem Beruf! Mit Make-up und Schmuck lieber dezent und sparsam umgehen, als zu dick aufzutragen. Auf Piercings im Gesicht reagieren übrigens auch recht viele Personalfachleute eher allergisch. Überlegen Sie also, ob sie Ihre metallenen Gesichtsverzierungen nicht lieber zum Vorstellungsgespräch (und evtl. während der künftigen Arbeitszeit) entfernen.

Es heißt nicht umsonst „Kleider machen Leute“. Denn in einem Vorstellungsgespräch werden Sie nicht nur nach Ihren Kompetenzen beurteilt - auch Ihre Kleidung spielt eine Rolle. Damit Sie auch mit Ihrem Erscheinungsbild punkten können, finden Sie hier die wichtigsten Tipps im Überblick:

  • Den einheitlichen Dresscode gibt es auch im Vorstellungsgespräch nicht. Achten Sie aber darauf, dass Ihr Outfit nicht nur elegant, sondern auch angenehm zu tragen ist. Schließlich möchten Sie sich in Ihrer „zweiten Haut“ doch wohlfühlen. Sie setzen sich zusätzlichem Stress aus, wenn Sie an Ihrem großen Tag bemerken, dass Ihr Rock vielleicht doch ein wenig zu kurz ist oder der Anzug kneift. Wenn Sie als Bewerberin bisher keine Rockträgerin waren, dann fangen Sie jetzt nicht damit an.
    Die Damen tragen einen Hosenanzug oder ein Kostüm in einer dunklen, gedeckten Farbe. Hosenanzüge gelten als sportlich, Kostüme als elegant. Der Rock darf nicht kürzer als knielang sein und die Feinstrümpfe in Hautfarben oder Schwarz sind (auch im Sommer) Pflicht.
  • Wählen Sie zu diesem Anlass eher gedeckte und klassische Farbtöne. Anthrazit und Dunkelblau passen immer und lenken nicht von den Botschaften ab, die Sie im Gespräch vermitteln wollen.
  • Achten Sie darauf, nicht mehr als drei Farben und zwei Muster miteinander zu kombinieren. Sonst wirken Sie zu überladen.
  • Tragen Sie nie mehr als neun Dinge sichtbar. Paare zählen dabei als ein Teil (zum Beispiel ein Paar Schuhe). Alles zählt: auch Brillen, Gürtel oder Krawattennadeln. Die Herren tragen an Schmuckstücken nur eine Uhr und eventuell einen unauffälligen Ring am Ringfinger.
  • Den Damen ist ein dezentes Make-up zu empfehlen, das ist dem ungeschminkten Auftreten vorzuziehen. Sind Sie es nicht gewohnt, Make-up zu tragen, so üben Sie ein paar Tage zuvor.
  • Entscheidend ist, dass Bewerber einen gepflegten Eindruck hinterlassen. Knoblauch-, Nikotin- und Alkoholfahnen sind selbstverständlich tabu. Das Gleiche gilt für aufdringliche Parfum- oder Aftershave-Wolken.
  • Achten Sie auch auf Ihre Frisur und saubere Fingernägel.
  • Nehmen Sie eine evtl. Sonnenbrille und Mütze ab und das Kaugummi aus dem Mund. Vor dem Vorstellungsgespräch kann es nicht Schaden ein Mundspray zu benutzen, um evtl. Mundgeruch zu vermeiden. Dies könnte bei Ihrem Gesprächspartner in negativer Erinnerung bleiben und Ihnen somit Minuspunkte bescheren.
  • Viele Personalentscheider schauen immer noch zuerst auf die Schuhe. Wichtig ist, dass diese geputzt und nicht ausgelatscht bzw. abgelaufen sind. Die Schuhe sind mindestens so dunkel wie die Farbe des Anzugs; keinesfalls jedoch heller. Bewerberinnen müssen die Schuhe an den Zehen geschlossen sein; niedrige bis halbhohe Absätze sind hier empfehlenswert. Vermeiden Sie offene Schuhe mit zu hohem Absatz. Bei den Herren entspricht die Farbe der Socken der dunklen Farbe ihrer Schuhe und lassen bitte ihre heiß geliebten weißen Sportsocken in der Schublade. Sie sollten darauf achten, dass im Sitzen kein nacktes Bein zu sehen ist.
  • Piercings sind selten gern gesehen. Dies gilt umso mehr, wenn die neue Stelle mit Kundenkontakt verbunden ist. Daher ist es prinzipiell besser, alle sichtbaren Piercings vor dem Vorstellungsgespräch zu entfernen. Wenn dadurch allerdings ein wenig vorteilhaftes Loch entsteht, sollte das Accessoire lieber an Ort und Stelle bleiben.
  • Abschließend möchte ich Ihnen noch ans Herz legen, dass Sie möglichst nicht versuchen, mit Ihrem Outfit Ihren Gesprächspartner auszustechen. Weihen Sie Ihr neues Marken-Kostüm lieber bei einer anderen Gelegenheit ein.
  • Wesentlich entscheidender als alle Bekleidungs- und Stilfragen ist natürlich Ihre Persönlichkeit - letztlich muss der Gesamteindruck stimmen.

Tipp:
Wählen Sie ein konservatives Outfit in den Farben Dunkelblau, Dunkelgrau oder Schwarz. Dunkle, gedeckte Farben vermitteln Seriosität, Beständigkeit, Loyalität und damit alle Eigenschaften, die sich Arbeitgeber von ihren Mitarbeitern wünschen. Von den derzeit angesagten Brauntönen ist abzuraten. Zwar gilt Dunkelbraun als kommunikative Farbe; sie wird jedoch in manchen Branchen dem Freizeitbereich zugeordnet.

Dunkelblau:
Klassische Business-Farbe. Diese Farbe wirkt insbesondere als Marineblau seriös, zuverlässig und loyal und ist daher ideal für wichtige Gespräche. Man kennt diese Farbe aus dem Dienstleistungssektor und aus berufen, die auf Vertrauen setzen, zum Beispiel bei Piloten, bei der Marine, der Polizei und in Banken. Die perfekte Kleidungsfarbe für das Vorstellungsgespräch.

Dunkelgrau:
Unaufdringliche und seriöse Farbe. Wirkt in Kombination mit einem/einer hellblauen oder rosafarbenen Hemd bzw. Bluse ausgewogen und ist ebenfalls für das Vorstellungsgespräch geeignet.

Schwarz:
Eine Farbe, die gern bei feierlichen Anlässen getragen wir; würdevolle, elegante Farbwirkung. Als Business-Farbe geeignet, sofern sie mit helleren Farben kombiniert wird, sonst wirkt es zu düster. Je höher die Position, umso dunkler die Kleidung.
Schwarz kann daher auch unangemessen wirken, sofern es sich nicht um eine entsprechend hohe Position handelt. Darüber hinaus sagt man Schwarz eine distanzierende Wirkung nach. Der Grund hierfür ist im früheren Brauch zu finden, Trauer zu tragen und die Mitmenschen dadurch um besondere Rücksichtnahme und Distanz zu bitten.

Rosa und Hellblau:
Rosafarbene und hellblaue Hemden, Blusen und Krawatten lockern strenge Businesskleidung auf. Diese Pastelltöne wirken umgänglich und sanft, können aber als „Babyfarbe“ auch Unselbständigkeit signalisieren. Diese Farben sollten sie daher besser nicht großflächig, zum Beispiel in Form eines pastellfarbenen Kostüms, tragen.

Rot:
Diese Farbe wirkt selbstbewusst und aufregend. Wenn Sie sich Autorität bewahren wollen, dann tragen Sie diese Farbe nur selten. Je nach Farbton hat Rot auch eine aggressive beziehungsweise provozierende Wirkung. Sicher keine gute Idee für das Vorstellungsgespräch.

 

Unterlagen und Materialien zum Mitbringen

Überlegen Sie und stellen Sie frühzeitig zusammen, was Sie alles zum Vorstellungsgespräch mitnehmen wollen. Hier eine Checkliste, die Sie beliebig ergänzen können:

 

Einladungsschreiben zum Vorstellungsgespräch

 

Telefonnummer des Personalbüros und Name des Ansprechpartners, falls Sie von unterwegs anrufen müssen (Unfall, Stau usw.)

 

Kopien Ihrer Bewerbungsunterlagen

 

Liste Ihrer Fragen an die Firma

 

Evtl. (geforderte) Arbeitsproben (Zeichnungen, Fotos u.ä.)

 

Notizblock und Kugelschreiber

 

 

 

 

Pünktlichkeit

Pünktlichkeit ist nicht nur die Höflichkeit der Könige, sondern ein absolutes MUSS bei einem Vorstellungsgespräch! Es gibt kaum eine Entschuldigung bzw. Ausrede für ein Zuspätkommen, die voll akzeptiert wird. Entweder starten Sie schon mit einem dicken Minuspunkt behaftet in das eigentliche Gespräch oder müssen gleich wieder auf dem Absatz umkehren, weil andere Bewerber dran sind und die Firma ihren straffen Zeitplan einhalten will.

  • Kontrollieren Sie rechtzeitig, ob Ihre Uhr richtig geht.
  • Evtl. den Wecker stellen, um nur ja nicht zu verschlafen.
  • Checken Sie die Verkehrsverbindung und kalkulieren Sie großzügig, wie lange Sie bis zu dem Unternehmen brauchen werden. Geben Sie eine Pufferzeit für Unvorhergesehenes dazu (Stau, Verspätungen der öffentlichen Verkehrsmittel usw.)
  • Nehmen Sie sich vor, mindestens eine viertel Stunde vor dem Termin bei der Firma einzutreffen. Abgehetzt, nass geschwitzt, zerzaust und völlig außer Atem in letzter Sekunde noch pünktlich einzutreffen macht auch nicht gerade den besten Eindruck und ist für einen selbst auch schrecklich stressig.
  • Im Notfall, wenn Sie trotz aller Zeitpuffer nicht pünktlich sein können (Autopanne, Unfall u.ä.), unbedingt bei der Firma anrufen!

 

Informationsstand überprüfen (und notfalls verbessern)

Sie bewerben sich für einen bestimmten Beruf in einem bestimmten Unternehmen. Sowohl mit dem Beruf, als auch mit dem Unternehmen sollten Sie sich gedanklich intensiv auseinandergesetzt haben und im Vorstellungsgespräch schlüssig und glaubhaft rüberbringen können, warum Sie sich für diesen Beruf (diese Position) in genau dieser Firma interessieren und für geeignet halten.

Stellen Sie sich vor einen Spiegel und sagen Sie sich laut die Gründe vor, warum Sie sich für diesen Beruf entschieden haben, gerade solche anliegenden Aufgaben besonders interessant finden und gerade dieses Unternehmen für sich attraktiv finden. Begründen Sie auch, warum Sie sich für den Beruf / die Position für besonders gut geeignet halten und warum sich die Firma für Sie entscheiden soll.

Falls Ihnen nicht genug (oder gar keine) Argumente zu einem oder sogar mehreren dieser Punkte einfallen, ist das ein deutliches Anzeichen dafür, dass Sie Ihren Informationsstand über den Beruf, die eigene Person oder das Unternehmen noch einmal verbessern müssen, bevor Sie sich in ein Vorstellungsgespräch wagen dürfen.

Ziel der inhaltlichen Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch ist es, einerseits auf die möglichen Fragen Ihres Gesprächspartners befriedigend antworten zu können, andererseits aber auch selbst für Sie wichtige Fragen stellen zu können. Sie sollten sich unbedingt eine Liste mit Fragen erarbeiten, die Sie selbst stellen wollen. Beispiele dafür finden Sie unter Fragen, die Sie stellen können.

Es kann sehr hilfreich sein, wenn Sie einige Situationen oder auch ganze Vorstellungsgespräche in einer Art Rollenspiel vorab ausprobieren und sich von den Mitspielern oder Zuschauern eine Rückmeldung geben lassen. Viele Lehrer üben das mit ihren Schülern - die Berufsberatung und etliche andere Institutionen und sogar Firmen (vor allem Banken und Sozialversicherungen) bieten auch immer wieder Bewerbungsseminare an. Sie sollen dadurch nicht zu einem Schauspieler werden, der seinen Text auswendig lernt und abspult oder „in eine völlig andere Haut schlüpft“. Sie können aber sehr gut lernen, schlimme grundsätzliche Fehler zu vermeiden und mehr Ruhe und Sicherheit für die Ernstsituation eines echten Vorstellungsgesprächs zu erwerben.

 

Ganz kurz vor dem Gespräch

Sie sind (pünktlich) bei dem Unternehmen angekommen. Kontrollieren Sie (im Waschraum der Toilette) noch einmal ihr Aussehen (und nehmen Sie spätestens jetzt den Kaugummi aus dem Mund).

Am Empfang und/oder im Vorzimmer zeigen Sie höflich und freundlich Ihr Einladungsschreiben vor. Falls Sie noch warten müssen, dann tun Sie es geduldig. Nerven Sie die Sekretärin nicht – sie könnte sich sonst beim Chef über Sie beschweren!

Atmen Sie noch einmal tief durch und lassen Sie sich Sätze durch den Kopf gehen, wie:

„Ich bin gut vorbereitet und ganz ruhig“. „Es wird halb so schlimm – ich schaff` das schon.“

 

Verhalten während des Vorstellungsgesprächs

Auch Personalfachleute sind nur Menschen – sie verlassen sich bei der Beurteilung eines Bewerbers auf alle möglichen Arten von Signalen und Informationen, die sie erhalten und beobachten. Neben berufsrelevanten Informationen werden auch das Aussehen, die Körpersprache und die Ausstrahlung des Bewerbers bei der Beurteilung berücksichtigt.

Geben Sie sich möglichst natürlich und verstellen Sie sich nicht. Halten Sie sich aber unbedingt an die üblichen Höflichkeitsregeln, die für ein erstes (geschäftliches) Gespräch zwischen Menschen gelten. Auf einige Dinge sollten Sie besonders achten:

  • Selbstbewusst anklopfen (weder an die Tür hämmern, noch so leise klopfen, dass es innen kaum gehört werden kann).
  • Wenn Sie dazu aufgefordert werden, betreten Sie den Raum sofort.
  • Stellen Sie sich mit Ihrem vollen Namen vor.
  • Händedruck: Nicht aufdrängen, wenn Ihnen nicht die Hand entgegengestreckt wird. Nicht jeder Mensch gibt gerne die Hand – vor allem nicht aufgeregten Bewerbern, deren Hand vielleicht schweißnass oder eiskalt vor lauter Nervosität ist. Streckt man Ihnen jedoch die Hand entgegen, sollten Sie mit einem kräftigen Händedruck reagieren. Nicht übertreiben und die Hand gleich zerquetschen! Aber auch nicht zu lasch und schlapp –das wird leicht als Willensschwäche und Labilität ausgelegt!
  • Nehmen Sie erst nach einer Aufforderung durch Ihren Gesprächspartner Platz.
  • Achten Sie bei der Vorstellung auf den Namen Ihres Gesprächspartners und prägen Sie ihn sich ein. Falls Sie den Namen nicht verstanden haben, fragen Sie sofort nach. Im Laufe des Gespräches sollten Sie Ihr Gegenüber dann mehrmals mit seinem Namen korrekt ansprechen.
  • Eine evtl. angebotene Zigarette sollten Sie lieber höflich ablehnen – auch unter Stress nicht vom Nikotin abhängig zu sein, kommt gut rüber. Auf gar keinen Fall sollten Sie von sich aus fragen, ob Sie rauchen dürfen oder sich sogar ungefragt eine anzünden!
  • Ein angebotenes (alkoholfreies!) Getränk dagegen dürfen Sie ohne Zögern annehmen.
  • Ihre Sitzhaltung sollte entspannt sein – weder zu steif noch zu lässig. Ruhig auf der gesamten Sitzfläche sitzen – nicht auf der äußersten Kante sitzen oder gar mit dem Stuhl wippen!
  • Vermeiden Sie auch zu starkes Zurücklehnen und das Verschränken der Arme (Abwehrhaltung)
  • Unsicherheitsgesten wirken ähnlich ungünstig: Nicht unruhig auf dem Sitz herumrutschen, nicht mit den Fingern im Gesicht herumfummeln oder am Hinterkopf kratzen!
  • Während des Gespräches viel Blickkontakt mit Ihrem Interviewer halten. Häufiges Wegschauen signalisiert Desinteresse und/oder wirkt ausweichend. Den Blick ständig auf den Boden oder den eigenen Schoß richten wirkt verschlossen und gehemmt. Aber verfallen Sie auch nicht in ein aufdringliches Anstarren – sie sind ja keine Schlange, die ihr Opfer mit starrem Blick hypnotisieren will!
  • Als Bewerber sollten Sie nicht versuchen, den Gesprächsablauf zu dominieren. Lassen Sie sich ruhig von Ihrem Gegenüber führen.
  • Seien Sie während des gesamten Gesprächs aufmerksam und freundlich.
  • Lassen Sie erkennen, dass Sie gut zuhören und genau verstehen, was im Gesprächsverlauf gesagt wird. Wenn Sie etwas nicht verstehen, fragen Sie höflich nach. Ihr Gegenüber soll nie den Eindruck haben, dass er/sie an Ihnen vorbeiredet.
  • Sprechen Sie weder zu schnell, noch zu langsam (bei Aufregung verhaspelt man sich leicht und zieht das Sprechtempo zu stark an).
  • Versuchen Sie, sachlich zu bleiben (keine übertriebenen Gefühlsausbrüche) und Ihre Sprache zu kontrollieren - meiden Sie Szenesprache, Kraftausdrücke und Fremdwörter, deren Bedeutung Sie nicht genau kennen.

Sympathien wecken

Mit dem Kontakt endet oder beginnt ein Beziehung. Es ist für einen Beobachter einfacher, diejenigen, die sich unpassend verhalten, mit einem Vorurteil zu belasten und dieses Vorurteil durch weitere selektive Wahrnehmungen bestätigen zu lassen. Schwieriger ist es, sich ein vollkommen unvoreingenommenes Urteil zu bilden. In der Folge gilt: Unterläuft dem „sympathischen“ Kandidaten ein Fehler, so wird das mit den Worten „Das kann ja jedem mal passieren“ abgetan. Unterläuft dem scheinbar „Unsympathischen“ der gleiche Fehler, so heißt es: „Das habe ich mir gleich gedacht…“ Auch über den ersten Eindruck hinaus gilt es, Sympathien zu wecken. Ist der Eindruck positiv, fällt es natürlich umso leichter, Pluspunkte zu sammeln und eine angenehme Beziehung, zu den Anwesenden aufzubauen. Angenehm wirken Menschen, die

  • zeigen, dass sie einen mögen,
  • einem selbst ähnlich sind,
  • ähnliche Kleidung und Accessoires tragen oder benutzen,
  • sich gleich oder ähnlich verhalten,
  • der eigenen Erwartungshaltung entsprechen,
  • mit Kleidung und Verhaltensweisen zeigen, dass sie ihren Beruf ernst nehmen

Zu den letztgenannten Verhaltensweisen gehören zum Beispiel: Anpassung, Charisma, Freundlichkeit, Höflichkeit, Gelassenheit, Ruhe, Selbstsicherheit, Gewandheit, Geduld und Toleranz.

 

Körpersprache

Wie man kommt gegangen, so wird man empfangen!

Sie können nicht kommunizieren! Ihr Körper spricht immer. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass mehr als 50 Prozent der Informationen innerhalb der ersten Phase eines Gesprächs durch nonverbale Signale wie Mimik, Gestik, Körperhaltung und Tonfall vermittelt werden. Da auch im Vorstellungsgespräch Ihre Kommunikationsfähigkeit ein entscheidender Erfolgsfaktor ist, helfen Ihnen die folgenden Tipps zur Körpersprache, sich von Ihrer besten Seite zu zeigen:

  • Gehen Sie nicht zu schnell oder hastig auf Ihr Gegenüber zu. Mit schnellen Schritten signalisieren Sie Ungeduld. Wählen Sie eine eher langsame, aber dennoch zielstrebige Gangart. Achten Sie darauf nicht mit den Füßen zu schlurfen. Das schlurfende Gehen wird als Zeichen fehlender innerer Antriebsstärke interpretiert.
  • Suchen Sie den Blickkontakt zu Ihren Gesprächspartnern. Der Blickkontakt ist ein Zeichen von Wahrnehmung und Interesse am Gegenüber. Daher ist der Blickkontakt auch während des Gesprächs von immenser Bedeutung. Blicken Sie Ihrem jeweiligen Gesprächspartner direkt und offen in die Augen. Vermeiden Sie es jedoch, ihn anzustarren. Es hat sich bewährt, innerlich ein Dreieck, um die Augen und den Mund Ihres Gegenübers, zu zeichnen. Ihr Blick wird sich dann wie von selbst zwischen diesen Punkten bewegen. Tabu ist es, den Blick auf den Körperbereich unterhalb der Schultern zu richten; das gilt als unangemessen. Probieren Sie diese Methode beim nächsten Gespräch in der Familie oder mit Freunden einfach einmal aus.
  • Lächeln Sie – Sie machen dadurch einen freundlichen und sympathischen Eindruck. Das heißt aber nicht, dass Sie Ihrem Gegenüber während des ganzen Gesprächs mit einem fest eingefrorenen Dauerlächeln begegnen sollen. Ein ständiges unbewegtes Lächeln gilt als Zeichen von Unaufmerksamkeit oder Unwohlsein nach dem Motto „Gute Mine zum bösen Spiel machen“.
  • Ein Händedruck kann Reserviertheit, Nervosität oder Angst zum Ausdruck bringen. Ob Ihr Gegenüber aus Ihrem Händedruck bewusst oder unbewusst Rückschlüsse auf Ihr Wohlbefinden zieh, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass Sie bei einem Vorstellungsgespräch alle Register ziehen sollten, um einen überzeugenden Eindruck zu hinterlassen. Und dazu gehört eben auch der perfekte Händedruck. Achten Sie darauf, dass Ihre Hände sauber und gepflegt sind, wenn Sie zum Vorstellungsgespräch erscheinen. Das bedeutet kurze Fingernägel für die Herren und nicht zu lange Fingernägel für die Damen. Wenn Frau nicht vorsätzlich kritische Fragen zu ihrer Fachkompetenz herausfordern möchte, dann verzichtet sie auf rot lackierte Fingernägel, sondern wählt unauffällige Nude-Töne. Der Händedruck ist fest und erfolgt von der ganzen Hand. Geben Sie Ihrem Gegenüber nicht nur die Finger in die Hand, sondern achten Sie darauf, dass sich Ihre Handflächen berühren.
  • Wenn Sie Ihrem Gesprächspartner dann gegenübersitzen, nehmen Sie eine aufrechte Sitzposition (mit dem Gesäß an der Stuhllehne) und offene Körperhaltung ein, indem Sie die Hände nicht vor dem Oberkörper verschränken, sondern geöffnet halten. Ihre Hände sollten sichtbar sein – also verstecken Sie diese nicht unter dem Tisch. Legen Sie Ihre Hände locker auf den Beinen oder Armlehnen ab. Eine vertrauensvolle Geste ist, die geöffneten Handinnenflächen nach oben zu zeigen. Die leicht geöffneten Hände signalisieren Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit. In früheren Zeiten war dies ein Zeichen dafür, in friedlicher Mission unterwegs zu sein, da man offensichtlich nicht bewaffnet war. Achten Sie darauf, sich nicht bei Unsicherheiten erwischen zu lassen, indem Sie plötzlich in eine geschlossene Körperhaltung, zum Beispiel verschränkte Arme oder vor dem Körper gefaltete Hände, verfallen. Beugen Sie sich Ihrem Gesprächspartner leicht entgegen. Damit vermitteln Sie Interesse, Engagement und Respekt.
  • Sorgen Sie für Halt. Ihre Beine stehen leicht auseinander; die Fußsohlen haben dabei Kontakt zum Boden. Diese Körperhaltung wird Ihnen Sicherheit geben. Jetzt kann Sie nichts mehr so leicht aus der Bahn werfen. Damit Sie nicht zur Statue erstarren, sollten Sie aber nicht allzu sklavisch in einer Position verharren. Wichtiger ist, dass Sie sich wohlfühlen. Verstellen Sie sich daher nicht, und achten Sie auch auf Bewegungsfreiheit. Achten Sie darauf, nicht Breitbeinig zu sitzen, dies ist ein Zeichen von Überheblichkeit! Wenn Sie die Beine übereinanderschlagen möchten, dann darf das Bein nicht über die Tischkante ragen. Auch hier bleiben die Beine beisammen und werden nicht im großen Dreieck übereinandergelegt.
  • Wenn Sie sich setzen, wird das Jackett oder der Blazer aufgeknöpft. Wenn Sie wieder aufstehen, knöpfen Sie ihn wieder zu – der unterste Knopf wird allerdings immer offen gelassen. Entgegen vielfacher Auffassung gilt diese Regel nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen.
  • Ihren Kopf halten Sie erhoben und zeigen dadurch Selbstwertgefühl. Darüber hinaus bleibt dem Gegenüber der Kopf zugewandt und demonstriert Aufmerksamkeit und Interesse. Über die Dauer des Gesprächs hinweg wird die Körpersprache regelmäßig variiert, um nicht steif zu wirken. Der Kopf kann dann auch nach links geneigt werden, was als Zeichen von Gesprächsbereitschaft verstanden wird.
  • Die optimale Gesprächsdistanz beträgt eine Armlänge oder einen Meter. Näher als einen Meter sollten Sie Ihrem Gesprächspartner nicht kommen. Dann dringen Sie nämlich in die engste Schutzzone ein, was beim anderen Unbehagen auslöst. Halten Sie mehr als einen Meter Abstand zum Gesprächspartner, so wirkt das distanzierend und erschwert das Zustandekommen einer guten Gesprächsatmosphäre.
  • Wenn Sie auf Ihr Gegenüber locker und entspannt wirken möchten, dann versuchen Sie auch Ihre Hände unter Kontrolle zu halten. Ständiges Herumspielen mit einem Stift oder Drehen an einem Ihrer Ringe sind deutliche Signale für mangelnde Stressresistenz.
  • Personen, die sich gut verstehen, gleichen oft unbewusst ihre Haltung und Gestik aneinander an. Um eine positive Kontaktaufnahme zu fördern und zu unterstützen, können Sie Ihren Gesprächspartner bewusst „spiegeln“: Bewegen und verhalten Sie sich symmetrisch.
  • Sprechen Sie mit fester und deutlicher Stimme. Vermeiden Sie besser einen monotonen Tonfall. Allerdings besteht bei Nervosität die Gefahr, dass Sie sich verhaspeln. Im Zweifel sprechen Sie daher lieber etwas langsamer als gewöhnlich.

Was Ihre Körpersprache dem Personaler verrät

  • Sich auf die Lippen beißen bedeutet, dass man gerade etwas gesagt hat, dass man nicht wiederholen würde. Man bestraft sich selbst für die unbedachte Äußerung. Sieht ein Personaler eine solche Mimik, wird ihm klar, dass er etwas Interessantes erfahren hat.
  • Die Lippen fest aufeinander pressen ist ein Zeichen von Unzufriedenheit. Man spricht hier auch von einem verbissenen Mundzug. Ein bisschen mehr Entspannung in allen Lebensbereichen wäre wünschenswert.
  • Gesenkte Mundwinkel sind Zeichen von Enttäuschung „Als Widerspiegelung eigener Gefühlsregungen sind diese Mundwinkel Zeichen zeitweiliger Depressionen, die die unterschiedlichsten Reaktionen erwarten lassen: Teilnahmslosigkeit oder Ablehnung des Kontaktes zu anderen.
  • Ins Gesicht fassen: Berührungen der Nase, des Ohrläppchens oder des Mundes signalisieren Unsicherheit.
  • Ineinandergreifende Finger signalisieren Abwehr. Argumente des Gesprächspartners werden nicht mehr zur Kenntnis genommen.
  • Die Schultern hängen lassen signalisiert Antriebsschwäche, Erschöpfung oder ist ein Zeichen von Überforderung. Die Schultern hochzuziehen gilt als Zeichen von momentaner Angst und Bedrohung. Auch sollte man sich nicht mit einem Schulterzucken dabei erwischen lassen, dass man gerade nicht weiterweiß oder einem die Sache nicht so wichtig erscheint.
  • Der nach rechts geneigte Kopf bedeutet Skepsis oder Zweifel. Oft steht dahinter das Misstrauen, zu wenige Informationen zu haben, um sich ein umfassendes Bild machen zu können. Der zurückgeworfene Kopf schafft Distanz zum Gesprächspartner, zeigt Dominanz und signalisiert Konfliktbereitschaft.
  • Augenbewegungen:
    Wird im Gespräch beispielsweise die eigene Rolle in einem früheren Projektteam erörtert und Sie erinnern sich an die damaligen Gegebenheiten, dann gehen Ihre Augenbewegungen ganz automatisch nach links. Nach links wandern unsere Augen nämlich dann, wenn wir uns an bereits gehörte Klänge, Stimmen, gesprochene Worte oder Geräusche erinnern. Werden Sie dagegen aufgefordert, sich Situationen vorzustellen, die Sie noch nicht erlebt haben, so wandern unsere Augen nach recht. Nach rechts gehen unsere Augenbewegungen also dann, wenn wir uns etwas ausdenken. Was könnte man also daraus schließen, wenn Sie nach Ihrem Aufgabengebiet gefragt werden und Ihre Augen nach rechts wandern? Richtig -  Sie konstruieren gerade Ihre Antwort, womöglich um besser dazustehen. Wenn Sie sich ausschließlich erinnern würden, so gingen Ihre Augenbewegungen nach links. Ein geübter Beobachter erkennt also sofort an Ihren Augenbewegungen, was Sache ist. Wenn Sie das Thema Augenbewegungen weiter interessiert, dann probieren Sie diese Theorie einfach mal bei Freunden oder Kollegen aus. Die Frage: „Welche Augenfarbe hat Deine Mutter?“ löst Erinnerungen aus – die Augen bewegen sich nach links. Die Frage: „Wie sehen unsere Wälder in 500 Jahren aus?“ löst die Konstruktion eines Bildes aus – die Augenbewegungen gehen nach rechts.
  • Auch die Nase nimmt Signale auf und entscheidet, ob man den anderen „riechen“ kann. Klar ist, dass man frisch geduscht und perfekt gekleidet zum Vorstellungsgespräch erscheint. Darüber hinaus sollten Sie auf Parfums ganz verzichten. Auch die Zigarette oder das Bierchen zum Beruhigen der Nerven kurz vor dem großen Ereignis ist ganz und gar nicht empfehlenswert, weil Sie den Rauch- und Alkoholnebel unweigerlich mitbringen. Außerdem: Schon am Abend vorher keinen Alkohol trinken – Sie fühlen sich dann fitter und sehen übrigens auch besser aus!

Fragen im Vorstellungsgespräch

Der zeitliche Rahmen kann recht unterschiedlich sein. Je nach Unternehmen und Position liegt die Spannweite etwa zwischen 20 und 90 Minuten. Um herauszufinden, wie gut Sie für die zu besetzende Stelle geeignet sind, wird Ihnen Ihr Gesprächspartner über weite Teile des Vorstellungsgesprächs Fragen stellen. Ihr Gegenüber übernimmt also vorwiegend die Gesprächsführung, der Sie sich ruhig anvertrauen sollten.

Meist werden Ihnen Fragen zu verschiedenen Themenkomplexen gestellt:

Fragen zu Motiven der Bewerbung

Frage: „Warum sollten wir gerade Sie einstellen?“
Diese Frage stellt eine hervorragende Chance für eine punktgenaue Zusammenfassung dar. Sollte diese Frage zum Ende des Interviews gestellt werden, so ist dies für Sie noch besser, denn jetzt können Sie die relevanten Punkte ihres Gesprächs in Ihre Antwort einfließen lassen und Ihre wesentlichen Vorzüge nachhaltig in Szene setzen. Als cleverer Bewerber nutzen Sie die Gelegenheit und zeigen Ihrem Gesprächspartner auf souveräne Art und Weise, dass Sie wissen worauf es wirklich ankommt und was Sie beruflich können. Zeigen Sie Ihre Qualifikation anhand von Beispielen noch einmal auf und betonen Sie, dass Sie sich auf die neue Aufgabe freuen und gerne für dieses Unternehmen arbeiten würden.

Antwort: Pause. Antworten Sie nicht sofort, zeigen Sie Ihrem Gesprächspartner, dass er eine gute Frage gestellt hat, dass Sie einen Augenblick über diese Frage nachdenken müssen und keine vorgefertigte Antwort liefern. „Das ist eine gute Frage! Dank unseres Gesprächs habe ich jetzt ein viel präziseres Bild von den Anforderungen in diesem Unternehmen. Ich bin sicher, dass ich die umfassende und mehrjährige Erfahrung im Marketing mitbringe, die für diese Aufgabe von Bedeutung ist. Wir hatten ja bereits darüber gesprochen, dass ich auch bei meinem letzten Arbeitgeber an verschiedenen Produkteinführungen mitgewirkt habe und das Messegeschäft und die in solchen Phasen anfallende hohe Belastung sehr gut kenne. Jetzt suche ich eine neue Herausforderung, und wenn ich dann noch in einem dynamischen Team mitarbeiten und einen aktiven Beitrag zum Unternehmenserfolg beisteuern kann, bin ich hier richtig. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann ist es genau das, was Sie suchen. Stimmt’s?

Fragen zum Lebenslauf bzw. zu Lücken im Werdegang

Lücken im Lebenslauf werden ebenso gerne hinterfragt wie das Zustandekommen von Noten im Zeugnis, Lieblingsfächer und die Entwicklung der schulischen Leistungen in den letzten zwei oder drei Jahren. Sie werden aufgefordert, mehr über Ihre Hobbys und Freizeitinteressen zu erzählen und ebenso über Nebenjobs oder Praktika, die Sie eventuell neben der Schule gemacht haben.

Frage: „Wie sah Ihr Tag in der Zeit Ihrer sechsmonatigen Arbeitslosigkeit aus? Ich konnte in Ihren Unterlagen nicht ersehen, ob Sie eine Fort- bzw. Weiterbildung besucht haben.“

Verfallen Sie nicht in Wehklagen, warum Sie den letzten Job verloren haben. Der Gesprächspartner ist nicht an einer Beschreibung des tiefen Lochs interessiert, in das Sie nach der Kündigung gefallen sind, noch will er wissen, wie lange Sie in diesem Loch waren oder mit wessen Unterstützung Sie es dann doch geschafft haben, eine Bewerbung zu schreiben. Antworten Sie ehrlich, dass es Ihnen in dieser Phase wichtig war, Ihre Lebensplanung neu zu überdenken, und Sie die Zeit für sich, Ihre Hobbys und Interessen genutzt haben. Diese Phase ist nun für Sie abgeschlossen und Sie haben nicht das Gefühl, zu kurz zu kommen und Ihre Interessen nicht ausgelebt zu haben. Diese persönliche Zufriedenheit wird sich auf Ihre Arbeitseinstellung und Ihr Engagement positiv auswirken. Wenn Sie während dieser Zeit auch an Fortbildungsveranstaltungen teilgenommen haben, so können Sie diese hier hervorragend einbringen. Machen Sie deutlich, dass durch Ihre Weiterbildungsaktivitäten ein konkreter Nutzen für Ihren (neue) Arbeitgeber entstanden ist.

Antwort: „Ich habe die Zeit erst einmal intensiv dazu genutzt, eine umfangreiche Bestandsaufnahme vorzunehmen und mich dann neu zu orientieren. In dieser Zeit habe ich viel gelesen und vor allem im Internet recherchiert. Mich hat insbesondere die Frage interessiert, wie sich mein berufliches Tätigkeitsgebiet in den kommenden Jahren verändern wird und wie ich mich am besten darauf vorbereiten kann. Unter anderem habe ich mich für ein Online-Seminar zum Thema Vertriebscontrolling angemeldet. Bei dieser Gelegenheit würde ich Sie gern einmal fragen, welche Erfahrungen Sie hier im Haus mit Online-Seminaren gemacht haben.“

Fragen nach sozialer Kompetenz

Frage: “Wie gehen Sie mit Kritik um?”

“Aus Fehlern wird man klug, darum mach ich nie genug”, das ist kein guter Wahlspruch für die Beantwortung dieser Frage. Denn: Sie machen gern Fehler und freuen sich darüber, wenn man sie Ihnen unter die Nase hält? Ganz ehrlich: Das glaubt Ihnen niemand!

Antwort: “Grundsätzlich freut mich Kritik nicht besonders, schließlich bedeutet Kritik ja, dass etwas hätte besser laufen können. Ich habe aber gelernt, dass Kritik sehr hilfreich und lehrreich ist und durch sie künftige Fehler vermieden werden können. Pause. Vielleicht sollte man das Wort Kritik gegen Feedback tauschen. Kritik ist meines Erachtens eher negativ belegt. Feedback trifft es da schon besser. Jeder braucht die Information, ob die Dinge in Ordnung sind oder ob für die Zukunft etwas anders getan werden muss.”

Fragen nach beruflichen Stationen und Erfahrungen

Frage: “Sie waren die letzten 10 Jahre im gleichen Unternehmen in der gleichen Position beschäftigt. Warum?”

Hintergrund der Frage ist, ob es keine Entwicklungsmöglichkeiten für den Bewerber gab und warum er vielleicht bei Beförderungen übergangen worden ist. Auch wenn sich an der Position nichts geändert hat, kann der Bewerber seine Entwicklungsfähigkeit aufzeigen und mit vielen Beispielen aus seinem Aufgabenportfolio belegen. Er hat sich vielleicht vom Organisator des Tagesgeschäfts zum Entscheidungsträger Personal und Einkauf entwickelt und so seine Vielseitigkeit, Flexibilität und Lernfähigkeit unter Beweis gestellt. Das er auch für den Einkauf zuständig ist und Messen besucht, zeigt, dass er flexibel ist, den Trend kennt und Neuem gegenüber aufgeschlossen ist

Antwort: “Meine berufliche Weiterentwicklung war von vielen Veränderungen in der Aufgabenstellung gekennzeichnet, auch wenn ich auf dem Papier immer Filialleiter war. Zu Beginn war meine Aufgabe, das Tagesgeschäft in der Filiale zu organisieren. Nach etwa zwei Jahren Betriebszugehörigkeit übernahm ich auch den Personalbereich, betreute die 20 Verkaufsmitarbeiter in der Filiale, war für Neueinstellungen und Entlassungen verantwortlich, führte Personalschulungen durch und war der Ausbilder der Auszubildenden. Seite etwa zwei Jahren bin ich auch der Ansprechpartner für unsere Einkäufer in der Zentrale, wenn es um die Kollektionsauswahl, die Order und Nachbestellungen geht, und besuche regelmäßig die Modemessen in Deutschland.”

Fragen zur Leistungsmotivation

Frage: “Wie stehen Sie zu Überstunden?”

Sie sollten dem Personaler deutlich machen, dass gesunde Beziehungen und ein entsprechender Ausgleich in Ihrer Freizeit für Sie und den Erhalt Ihrer Leistungsfähigkeit große Bedeutung haben.

Antwort: “Grundsätzlich bin ich bestrebt, meine Aufgaben in der vorgegebenen Zeit zu erledigen. Die Fähigkeiten im Vorfeld sauber zu planen und Prioritäten zu erkennen sind dafür meines Erachtens wichtige Voraussetzungen. Pause. Wissen Sie, ich suche eine Herausforderung, bei der ich gefordert werde, mich einbringen und weiterentwickeln kann - und so wie es sich anhört, bieten Sie mir hier eine interessante Aufgabe an. Ich weiß aber auch, dass man nicht jeden Arbeitstag von 09:00 bis 17:00 Uhr im Voraus planen kann und deshalb flexibel sein muss. ich habe mich im Vorfeld unseres heutigen Termins ausführlich mit meinem Lebenspartner (besser ist: Mann, Frau, Freund, Freundin etc.) über diese Aufgabe und die damit verbundenen Pflichten unterhalten und uns beiden ist klar, dass eine wirkliche Herausforderung im Beruf genauso wichtig ist wie gute Beziehungen und eine sinnvoll gestaltete Freizeit.”

Fragen zu Ihrem Wissensstand

Wenn ein Unternehmen mehr über Ihre Allgemeinbildung oder Fachwissen erfahren will, als Ihren Zeugnissen zu entnehmen ist, kann es dies natürlich vorab in einem entsprechenden Test oder auch Assessment-Center abprüfen. Aber auch in einem Vorstellungsgespräch können Wissensfragen gestellt werden. Gerade Banken, Sozialversicherungen und Behörden checken gerne Ihr Interesse an Politik und Wirtschaft ab. Vor Bewerbungsgesprächen mit solchen Unternehmen sollten Sie unbedingt regelmäßig den politischen und wirtschaftlichen Teil einer (guten) Tageszeitung lesen und täglich Nachrichtensendungen verfolgen, um sich über aktuelle Probleme und Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten.

Fragen zu Ihrer Persönlichkeit

  • In welchem Bereich sehen Sie Ihre besonderen Fähigkeiten?
  • Welche Aufgaben bereiten Ihnen Schwierigkeiten?
  • Wo sehen Sie Ihre Stärken und wo Ihre Schwächen?
  • Versuchen Sie, sich selbst zu beschreiben.
  • Wie stehen Sie zum Thema Pünktlichkeit / Ehrlichkeit / Fleiß?

Wahl des Unternehmens

  • Welche Vorstellungen haben Sie von einer Ausbildung in unserem Hause?
  • Wie haben Sie erfahren, dass in unserem Unternehmen eine Stelle zu besetzen ist?
  • Was schätzen Sie an unserem Unternehmen besonders?
  • Versuchen Sie bitte, das Unternehmen zu beschreiben, in dem Sie am liebsten arbeiten würden.

Weitere Beispiele für Fragen, die einem Bewerber um eine Ausbildungsstelle gerne gestellt werden

  • Sind Sie gerne zur Schule gegangen?
  • Wie sind Sie mit den Lehrern ausgekommen?
  • Und wie mit Ihren Mitschülern?
  • Welche Fächer haben Ihnen besonders gut bzw. schlecht gelegen? Und warum?
  • Sind Sie mit dem Zeugnis zufrieden bzw. in welchen Fächern wären Sie gern besser?
  • Warum haben Sie die Schule vorzeitig verlassen?
  • Warum wollen Sie nicht studieren?
  • Warum gerade dieser Beruf?
  • Wie lange ist das schon Ihr Wunschberuf?
  • Welche Vorstellungen (Aufgaben und Pflichten) haben Sie von der Ausbildung bei diesem Unternehmen?
  • Welche Nachteile hat Ihr Wunschberuf?
  • Welche Berufe interessieren Sie noch?
  • Woher haben Sie von der freien Ausbildungsstelle erfahren?
  • Was produziert bzw. leistet dieser Betrieb?
  • Warum haben Sie die vorherige Ausbildung abgebrochen?
  • Welche Gründe sprechen dafür, dass Sie diesmal bis zum Abschluss durchhalten?
  • Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
  • Ach Sie lesen gern - was? Wie hat Ihnen das letzte Buch gefallen?
  • Was wollen Sie in 5 bis 10 Jahren erreicht haben?

Die Etappen des Vorstellungsgesprächs

Im Bewerbungsgespräch sind beide Seiten gleichermaßen angespannt. Während der Bewerber nervös ist, weil er schließlich nicht jeden Tag einen Vorstellungstermin hat, wird von dem Unternehmensvertreter erwartet, dass er für die ausgeschriebene Position einen geeigneten Bewerber auswählt. Eine Fehlbesetzung ist häufig mit hohen Kosten verbunden. Daher gilt das Prinzip: „Lieber gar kein Mitarbeiter als ein schlechter“. Somit kann sich keiner der Beteiligten einen groben Patzer erlauben. Aufgrund dieser Patt-Situation erwartet Sie im Vorstellungsgespräch eine ruhige und sachliche Atmosphäre. Sie können also ganz gelassen sein. Niemand will Sie vorführen. Ihr Gesprächspartner möchte in diesem Gespräch nur in Erfahrung bringen, inwieweit sich Ihr Profil mit den Anforderungen der freien Stelle deckt. Leider lassen sich keine genauen Angaben zur Dauer eines Interviews machen. Die Zeit, die man sich für Sie nimmt, ist abhängig von der besetzenden Position, den Gepflogenheiten des Unternehmens, aber auch von Ihrer Performance. Ein Bewerbungsgespräch kann etwa 40 Minuten dauern, aber auch ein bis zwei Stunden. Gespräche unter zwanzig Minuten sind allerdings häufig ein schlechtes Zeichen.

Die Frage, wie viele Interviewer dem Bewerber im Gespräch gegenübersitzen werden, ist nicht einheitlich zu beantworten. Grundsätzlich müssen Sie sowohl mit einem Vertreter der Personalabteilung als auch mit dem Leiter einer Fachabteilung rechnen. Hinzu kommen eventuell noch Vorstand, Geschäftsführer oder Firmeninhaber.

In der Regel ergeben sich Ihre Gesprächspartner allerdings aus dem Einladungsschreiben oder einer erneuten Terminbestätigung seitens des Unternehmens. Wenn Sie diese Informationen nicht erhalten, setzen Sie sich am besten noch einmal mit dem Unternehmen in Verbindung. Erkundigen Sie sich, wer Ihre Gesprächspartner im Bewerbungsgespräch sein werden und welche Positionen sie innerhalb des Unternehmens bekleiden. Ihr Vorteil: Im Gespräch können Sie alle Anwesenden namentlich ansprechen. Dadurch tragen Sie Ihren Teil zu einer freundlichen und offenen Gesprächsatmosphäre bei.

Der Gesprächsablauf selbst lässt sich grob in verschiedene Phasen unterteilen, die durchaus in unterschiedlicher Reihenfolge und Gewichtung auftreten können. Ihr Gesprächspartner wird zunächst das eigene Unternehmen und das Profil der freien Stelle vorstellen und Sie erst im Anschluss bitten, sich selbst zu präsentieren. Sie können sich an dem nachfolgenden Schema orientieren. Wichtig ist, dass Sie während des gesamten Interviews authentisch bleiben. Glaubwürdigkeit und Offenheit zahlen sich im Vorstellungsgespräch immer aus. Da Sie es bereits bis hierhin geschafft haben, haben Sie auch allen Grund, selbstbewusst aufzutreten - natürlich ohne überheblich oder sogar arrogant zu wirken.

1. Begrüßung und Gesprächseröffnung

Es ist üblich, dass Ihr Gesprächspartner - nach der offiziellen Begrüßung - ein wenig mit Ihnen smalltalked. Damit wird versucht, eine entspannte Gesprächsatmosphäre zu schaffen und Ihnen Ihr Lampenfieber zu nehmen. Denn natürlich ist jedem Personalverantwortlichen klar, dass Sie in dieser wichtigen Situation nervös sind.

In dieser Phase können Sie nach Ihrer Anfahrt gefragt werden oder danach, ob Sie schon erste Eindrücke zum Firmenumfeld gewonnen haben. Wahrscheinlich wird man Ihnen auch etwas zu trinken anbieten.

Sie sollten aber bereits während der Gesprächseröffnung hoch konzentriert sein. Zuweilen versucht man bereits in dieser Phase Ihre kommunikativen Fähigkeiten auszuloten.

Unterschätzen Sie die Macht des ersten Eindrucks nicht. Untersuchungen zeigen, dass sich dieser bereits in den ersten 30 Sekunden bildet und sich während der nächsten 20 Minuten verfestigt. Bemühen Sie sich daher um einen aktiven, höflichen und freundlichen Erstkontakt. Lächeln Sie freundlich und begrüßen Sie alle Anwesenden namentlich per Handschlag und nehmen Sie dabei Blickkontakt auf. Achten Sie dabei auf einen festen und selbstbewussten Händedruck, allerdings nicht „Marke Schraubstock“. Für Ihr Gegenüber ist auch ein feuchter, klebriger Händedruck sehr unangenehm. Stellen Sie sich auch im Vorstellungsgespräch mit Vor- und Nachnamen vor. Das wirkt offen und macht sympathisch. Wenn Sie möchten, können Sie außerdem Ihre Begrüßung durch eine positive Bemerkung über Ihren Gesprächspartner oder das Unternehmen abrunden.

Achten Sie bitte beim Hinsetzen darauf, dass Sie als Bewerber sich einen kurzen Augenblick nach dem Chef hinsetzen. Sie müssen das Verhalten des Chefs spiegeln, weil er das als positives Signal wahrnimmt.

 

2. Vorstellung des Unternehmens

Im Anschluss wird Ihnen das Unternehmen vorgestellt: Sie bekommen Informationen über die aktuelle Geschäftslage und zu seinen Produkten oder Dienstleistungen. Anschließend werden Sie mit den Anforderungen an den zukünftigen Stelleninhaber vertraut gemacht.

 

3. Ihre Selbstpräsentation

Im nächsten Schritt werden Sie dazu aufgefordert, sich selbst und Ihren Werdegang kurz vorzustellen. Mit Ihrer überzeugenden Selbstpräsentation haben Sie bereits das Fundament für diesen Gesprächsabschnitt gelegt. Jetzt können Sie Ihrem Gesprächspartner beweisen, dass er mit Ihnen einen Volltreffer landen wird, indem Sie Ihre zentralen Verkaufsargumente noch einmal gekonnt kommunizieren.

Auf dem Weg zum Traumjob wird die Kunst, sich im Einstellungsgespräch geschickt in Szene zu setzen, für viele Bewerber zum schier unüberwindbaren Hindernis. Die Standard-Aufforderung des Interviewers: „Erzählen Sie doch mal etwas über sich“ führt daher häufig zum K.O. solche Situationen lassen sich aber bereits mit ein wenig Training vermeiden. Daher gehört auch die souveräne und selbstbewusste Performance zur perfekten Vorbereitung des Vorstellungsgesprächs. Neben Ihren zentralen Verkaufsargumenten kommt es zusätzlich auf Ihre rhetorischen Fähigkeiten an. Nehmen Sie also noch einmal Ihre Unterlagen zur Hand, und entwickeln Sie hieraus einen kurzen Vortrag. Eine souveräne Kurzpräsentation im Vorstellungsgespräch darf etwa drei bis fünf Minuten dauern. Falls im bisherigen Verlauf des Bewerbungsinterviews einige Punkte der Selbstpräsentation bereits angesprochen wurden, müssen Sie Ihren Vortrag natürlich entsprechend reduzieren. In derartigen Fällen ist eine Kurzversion von etwa einer Minute völlig ausreichend.

Damit Sie die zentralen Botschaften rund um Ihr persönliches Profil auch überzeugend kommunizieren können, habe ich an dieser Stelle noch einmal die wichtigsten Tipps zur richtigen „Verpackung“ Ihrer Verkaufsargumente für Sie zusammengestellt:

  • Denken Sie daran, dass Ihre Aussagen mit dem Anforderungsprofil der Stelle übereinstimmen. So vermeiden Sie, dass Sie am Thema vorbeireden und den roten Faden verlieren. Zeigen Sie, dass Ihnen bekannt ist, welche Anforderungen Ihr Wunschberuf mit sich bringt und warum gerade Sie dafür die richtige Frau oder der richtige Mann sind. Welchen Nutzen können Sie Ihrem Gesprächspartner bieten, falls er sich für Sie entscheidet?
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Formulierungen mit denen in Ihrer Bewerbungsmappe übereinstimmen. Rechnen Sie damit, dass Ihr Gesprächspartner sich mit Ihren Bewerbungsunterlagen auseinandergesetzt hat. Allerdings sollten Sie im Vorstellungsgespräch über die reine Auflistung der Fakten hinausgehen und diese durch aussagekräftige Argumente ergänzen.
  • Setzen Sie Schwerpunkte in Ihrer bisherigen beruflichen Entwicklung. Zeigen Sie, dass Sie Ihre bisherige Karriere zielgerichtet verfolgt haben. Welche Stationen sind für Ihren Gesprächspartner besonders wichtig? Welche konkreten Erfolge haben Sie nach vorn gebracht? Machen Sie deutlich, welche Ziele Sie noch erreichen wollen.
  • Zeigen Sie, dass Sie sich über das Unternehmen informiert haben, und orientieren Sie sich bei Ihrer Selbstpräsentation immer an der jeweiligen Unternehmenssituation.
  • Beschreiben Sie genau, was Ihre Persönlichkeit ausmacht. Welche Stärken und Qualifikationen bringen Sie mit? Was ist Ihnen wichtig? Belegen Sie Ihre Aussagen wieder mit konkreten Praxisbeispielen.
  • Verdeutlichen Sie Ihrem Ansprechpartner, dass die ausgeschriebene Stelle Ihre erste Wahl ist. Was hat Sie motiviert, sich gerade bei diesem Unternehmen zu bewerben? Warum streben Sie gerade diese Position an?
  • Halten Sie Blickkontakt.

 

Haben Sie Ihren Kurzvortrag erarbeitet, um auf die Kernfragen des Bewerbungsgesprächs flexibel und souverän reagieren zu können? Dann probieren Sie Ihre Präsentation aus, und beantworten Sie die folgenden Fragen, die Ihnen so auch in einem Bewerbungsgespräch gestellt werden könnten:

  • Wir würden Sie gerne näher kennenlernen. Erzählen Sie doch bitte ein wenig über sich!
  • Warum bewerben Sie sich in unserem Unternehmen?
  • Kennen Sie unsere Firmenphilosophie?
  • Was interessiert Sie an der ausgeschriebenen Position am meisten?
  • Warum sollen wir uns gerade für Sie entscheiden?
  • Was sind Ihre Stärken?
  • Nennen Sie uns drei Gründe, warum wir Sie einstellen sollen?
  • Welches sind die wesentlichen Etappen in Ihrer bisherigen Entwicklung?

 

Sie sehen: Mit einer guten Vorbereitung haben Sie allen Grund, Ihrem Vorstellungsgespräch entspannt und gelassen entgegenzusehen.

4. Vertiefende Fragen

Mit speziellen Frageblöcken sollen bestimmte von Ihnen angesprochene Themen vertieft oder andere Aspekte, die für das Unternehmen wichtig sind, geklärt werden. Die Gesprächsstrategie der Personalverantwortlichen richtet sich dabei stark nach Größe und Branche des Unternehmens und natürlich nach dem konkreten Arbeitsplatz. Legen Sie bei Ihren Antworten ruhig eine gewisse Leidenschaft an den Tag. Zeigen Sie, dass Sie Ihren Job und seine Aufgaben mögen. Sie dürfen vor lauter Schwärmerei allerdings nicht ins Schwafeln kommen.

 

5. Ihre Fragen an das Unternehmen

Üblicherweise haben Sie gegen Ende des Gesprächs die Gelegenheit, eigene Fragen zum Unternehmen oder der freien Position zu stellen. Dies wird auch von Ihnen erwartet, doch leider nutzen die wenigsten Bewerber diese Möglichkeit. Die Bewerbungspraxis macht deutlich, dass Kandidaten, die sich ausgiebig mit den Anforderungen der zukünftigen Position auseinandergesetzt haben, wesentlich engagierter, sorgfältiger und ausdauernder arbeiten als Bewerber, die eher zufällig zu ihrem neuen Arbeitsplatz gelangt sind.

Indem Sie Fragen stellen, können Sie Ihre gründliche Vorbereitung unter Beweis stellen. Greifen Sie ruhig auf eine vorbereitete Liste zurück.

Achten Sie aber darauf, dass Sie keine Fragen stellen, die bereits im Verlauf des Vorstellungsgesprächs beantwortet wurden.

Mögliche Fragen sind:

  • Welche Erwartungen hat die Firma an den neuen Stelleninhaber?
  • Gibt es für die Position eine konkrete Stellenausschreibung? Gibt es einen Organisationsplan zum Unternehmen?
  • Ist eine Einarbeitungsphase vorgesehen? Wer wird mein Ansprechpartner sein?
  • Wer ist mein direkter Vorgesetzter? An wen werde ich berichten?
  • Wie lang ist meine Probezeit?
  • Für wie viele Mitarbeiter bin ich verantwortlich?
  • Mit welchen Abteilungen werde ich zusammenarbeiten?
  • Worauf legen Sie (die Firma) Wert? Gibt es Zusatzqualifikationen, die ich mir für diese Stelle aneignen sollte?
  • Welche Firmenphilosophie hat das Unternehmen? Wie lauten die Kernaussagen?
  • Welche Weiterbildungsmöglichkeiten habe ich in Ihrem Unternehmen?
  • Welche Aufstiegsmöglichkeiten habe ich in Ihrem Unternehmen?
  • Besteht die Möglichkeit, auch im Ausland eingesetzt zu werden?

 

Es empfiehlt sich, Fragen zur Vergütung und den Unternehmensleistungen erst zu einem späteren Zeitpunkt zu klären. Ansonsten gewinnt Ihr Gesprächspartner schnell den Eindruck, dass Ihnen Ihr Urlaubsanspruch und die Bezahlung wichtiger sind als der Aufgabenbereich des neuen Jobs.

Tipp: Fragen Sie, ob Sie sich Notizen machen dürfen. Damit unterstreichen Sie noch einmal Ihr Interesse und die Ernsthaftigkeit Ihrer Bewerbung. Es kann auch vorkommen, dass Ihr Gesprächspartner im weiteren Verlauf des Interviews noch einmal auf bestimmte Unternehmensinfos zurückkommt, um Ihre Konzentrationsfähigkeit zu überprüfen. Aber auch der Bewerber kann demonstrieren, dass er aufmerksam ist und zuhören kann. Fragen Sie am Ende des Gesprächs nach Details, die bisher noch nicht angesprochen wurden.

6. Gesprächsabschluss

Zeigen Sie zum Abschluss des Vorstellungsgesprächs, dass Sie über die Gepflogenheiten des Bewerbungsverfahrens informiert sind: Die endgültige Entscheidung wird erst getroffen, nachdem die Vorzüge aller Bewerber abgewogen worden sind. Fragen Sie also nicht, ob Sie Ihren Arbeitsvertrag bereits in der Tasche haben, sondern erkundigen Sie sich über das weitere Vorgehen und wann Sie mit einer Entscheidung oder mit einem zweiten Vorstellungstermin rechnen können. Eventuell erwarten Sie hier Elemente aus einem Assessment-Center, wie eine Gruppendiskussion.

Bedanken Sie sich für die nette Gesprächsatmosphäre, und machen Sie klar, dass Sie durch den Verlauf des Gesprächs darin bestärkt wurden, dass die Bewerbung in diesem Unternehmen genau die richtige Entscheidung gewesen ist. Verabschieden Sie sich freundlich von sämtlichen Gesprächspartnern, indem Sie sie mit Namen ansprechen.

Beachten Sie, dass der erste und letzte Eindruck besonders im Gedächtnis bleibt. Seien Sie daher auch in dieser Phase des Gesprächs gelassen, freundlich und ein wenig distanziert.

 

Hinweis:

In der heutigen Zeit kostet es Arbeitgebern viel Geld, nur um die Bewerbungsmappen wieder zurückzuschicken. Immer mehr Arbeitgeber gehen dazu über, diese Kosten einzusparen. Die Stadt Weimar z. B. verweist in Ihren Absagen explizit darauf, dass nach Ablauf einer kurzen Frist (ca. 1 ½ Monate) die Bewerbungsmappe vernichtet wird, falls man diese bis dahin nicht persönlich abholt oder einen frankierten und an den Bewerber adressierten Rückumschlag zusendet.

Dies ist oftmals eine Milchmädchenrechnung! Bedenkt man, dass mit Erstellen einer schriftlichen Absage an den Bewerber, für das Aufsetzen der Absage, dem Eintüten der Bewerbung und dem Frankieren, Lohnkosten entstehen und erstmals Portogebühren anfallen.

Mit Erzwingung eines frankierten und adressierten Rückumschlags aber weitere Kosten dem Arbeitgeber entstehen, die mit Sicherheit höher ausfallen, anstatt gleich die Bewerbungsmappe mit den Portogebühren für einen Großbrief zu versehen.

Man muss sich vor Augen halten, hier entstehen dem Arbeitgeber weitere Kosten um den Rückumschlag wieder von einem Mitarbeiter auszutüten, die Bewerbungsmappe aus dem Stapel der Bewerbungsunterlagen herauszusuchen, ein weiteres Anschreiben aufzusetzen, dieses mit der Bewerbungsmappe zusammen in den frankierten Rückumschlag einzutüten und diesen Brief bei der Post aufzugeben. Die Lohnkosten hierfür sind mit Sicherheit höher als die Differenz von einem normalen Brief für die Absage, als gleich die Portogebühren für einen Großbrief zu zahlen. Aber wie gesagt, auch Arbeitgeber können an der falschen Stelle sparen. Günstiger käme es Arbeitgebern, wenn sie Onlinebewerbungen akzeptieren, die man dem Bewerber nicht wieder zurücksenden muss.

Der Bewerber sollte abwägen, was ihm günstiger kommt; die nochmaligen Portokosten (ca. 0,90 Euro Porto für das Hinsenden des Rückumschlags in Form eines Kompaktbriefes plus 1,45 Euro auf dem frankierten, gefalteten und an sich selbst adressierten Rückumschlag in Form eines Großbriefes, was zusammen nochmals mindestens 2,35 Euro ausmacht) oder ob die Bewerbungsmappe diesen Wert unterschreitet und sich somit keine Rücksendung lohnt.

 

Besonderes Vorstellungsgespräch

Gruppeninterview

Als Teaminterview oder Gruppeninterview bezeichnet man das Interview, wenn …

… Sie nicht der einzige Kandidat im Interview sind

Insbesondere bei internen Auswahlprozessen sitzen Sie nicht allein, sondern in einer Bewerbergruppe den Beobachtern gegenüber. Für das Unternehmen hat eine solche Bewerbergruppe den Vorteil, dass sich auf einem kostengünstigen, weil zeitsparenden, Weg die besten Bewerber herauskristallisieren: Durch die Konkurrenzsituation werden die Unterschiede zwischen den Bewerbern schnell deutlich – auch im Interview.

… Sie nicht nur einem Beobachter gegenüber sitzen

Klassischerweise sitzen Sie im Vorstellungsgespräch einem Personaler oder dem Personaler und dem Fachvorgesetzten gegenüber. Bei dieser Interviewform erwartet Sie aber ein regelrechtes Fachgremium, bestehend aus mehreren Beobachtern. Regelmäßig ist dabei zu beobachten, dass die Rollen innerhalb des Gremiums unterschiedlich verteilt sind: Einer hat die steuernde Rolle, einer den verständnisvollen Part und ein Dritter stellt die kritisch fragende Besetzung dar. Achten Sie darauf, dass Sie zu allen Beteiligten Blickkontakt aufbauen und eine Beziehung herstellen. Auch wenn einer der Gesprächspartner eine schweigsame Rolle einnimmt, bedeutet das nicht, dass er für Sie unwichtig ist.

Stressinterview

Das Stressinterview ist eine der gefürchtetsten Interviewformen – und das nicht nur beim Bewerber. Man spricht auch von der „Zuckerbrot- und Peitsche-Strategie“.
Mit dieser Interviewart wird deutlich, wie Sie auf unvorhersehbare Situationen und Stress reagieren. Der Interviewer versucht, Sie durch Art und Inhalt seiner Fragen unter Druck zu setzen und so aus der Reserve zu locken. Durch unangenehme, unverständliche oder sogar sinnlose Fragen und Wiederholungen werden die Frustrationstoleranz und die Stressresistenz des Bewerbers auf die Probe gestellt. Sie werden nicht nur fachlich, sondern vor allem emotional durch Unterbrechungen, persönliche Angriffe und Ähnliches gefordert oder gar provoziert. Dadurch werden eine Situation und ein Gesprächsklima geschaffen, welche das Selbstbewusstsein des Bewerbers und seine Bereitschaft zur sachlichen Gesprächsführung herausfordern.
Insbesondere wenn Sie sich für einen stressigen Job, zum Beispiel im Außendienst oder Direktvertrieb bzw. bei der Polizei oder im Justizvollzug, bewerben, sollten Sie darauf vorbereitet sein, sich berufstypischen Stressfragen stellen zu müssen. Doch nicht jedes Gespräch, das von Ihnen als stressig empfunden wird, ist tatsächlich ein reinrassiges Stress-Interview. Das Interview an sich macht nervös, empfindlich oder sogar ängstlich – auch ohne dass ausschließlich stressreiche Fragen gestellt werden. Das Problem dabei ist uralt: Als unsere Vorfahren noch Jäger und Sammler waren, sahen sie sich auf ihrer Suche nach Nahrung und Feuerholz oft unerwarteten Gefahren ausgesetzt. So konnte es passieren, dass sie plötzlich einem wilden Tier gegenüberstanden, dass sie als Beute identifiziert hatte. In solchen Situationen standen nur die beiden Optionen Kampf oder Flucht offen. Meist folgte dem der Entschluss, sich möglichst schnell in Sicherheit zu bringen, also zu fliehen. Um die letzten Kraft- und Energiereserven aktivieren zu können, setzte der Körper Adrenalin frei. Adrenalin, auch Epinephrin genannt, wird in Stresssituationen ausgeschüttet, erzeugt eine Steigerung der Herzfrequenz und einen Anstieg des Blutdrucks. Dadurch werden optimale Bedingungen erzeugt, um den Körper zu Höchstleistungen anzuspornen und sich schnell in Sicherheit zu bringen. Allerdings mit einem heute lästigen, aber damals sinnvollen Nebeneffekt: Das bewusste Denken wird gleichzeitig reduziert. Denn wer erst lange darüber nachdenken muss, ob und wohin er rennen soll, hat schon viel wertvolle Zeit verloren und wird umso schneller eingeholt.
Zwar besteht heutzutage meist keine körperliche Gefahr, wenn uns ein verbaler Angriff trifft. Die automatischen Reaktionen, die unser Körper auf eine derartige Aktion zeigt, sind jedoch die gleichen geblieben. Darum macht Stress schlicht und ergreifend dumm. Denn aufgrund der Stresssitutation reagiert unser Gehirn limitierend: Alle Denkfunktionen werden minimiert. Zwar haben wir viel Kraft in unseren Muskeln, aber leider sehr wenig kreative Geistesblitze. Eindeutig ein Nachteil, wenn wir auf der Suche nach einer pfiffigen Erwiderung sind.
Sie befinden sich dank der unerwartet fiesen Bemerkung des anderen ohnehin in einer Stresssituation. Es ist daher schwierig für Sie zu kontern, weil das Adrenalin sich schon auf den weg in Ihre Blutbahnen gemacht hat. Als wäre das nicht schon genug, fügen Sie selbst nun noch eine weitere Stressursache hinzu und setzten sich unter Druck, indem Sie von sich verlangen, sofort passend zu kontern. Das Ergebnis ist nur ein leerer und manchmal auch rot angelaufener Kopf, ein schneller Pulsschlag, aber leider weit und breit keine raffinierte Erwiderung auf der Zunge. Der Grund dafür ist zu viel Stress und zu viel blockierendes Adrenalin.

Wie man sich verhalten sollte, wenn Personaler Bewerber gezielt unter Druck setzen

Auf einmal ist der nette Plausch über die bisherige Karriere vorbei. Wie aus dem Nichts fragt der Personalchef den Bewerber mit spitzem Unterton, ob die ausgeschriebene Stelle denn nicht über dessen Qualifikationen liege. Der Bewerber ist baff. Wie soll er reagieren? Er befindet sich mitten in einem Stressinterview, mit dem der Personaler seine Nervenstärke testet. Die fiesen Fragen beim Stressinterview sind keineswegs Ausdruck von Antipathie. „Sie dienen nur der Provokation und haben Methode“. Der Personaler setzt den Bewerber mit unangenehmen, vor allem unerwarteten Fragen unter Druck, um dann zu beobachten wie dieser mit stressigen Situationen umgeht. Stressinterviewer greifen auf ein breites Repertoire an gesprächspsychologischen Techniken zurück. Mal werden Aussagen des Bewerbers als unglaubhaft dargestellt oder lächerlich gemacht, mal wird der Personaler unsachlich und persönlich. Dabei sehen sich Bewerber schon mal mit Aussagen konfrontiert wie etwa: „Mit ihrem Aussehen und Auftreten können wir Sie aber nicht auf unsere Kunden loslassen“. Manche Interviewer spielen demonstratives Desinteresse vor. Eine weitere gängige Stressmethode ist, den Bewerber Aufgaben erledigen zu lassen und ihn gleichzeitig mit Fragen zu bombardieren. „Stressinterviews finden selten in Reinform statt“. Gängig sei es, einzelne solcher Fangfragen ins Gespräch zu streuen. Angewendet werden diese Techniken vor allem bei Bewerbungen um Jobs, bei denen unvorhergesehen Hektik aufkommen kann oder die häufigen Kundenkontakt mit sich bringen. So unangenehm die Situation sich anfühlen mag – die wichtigste Regel lautet: einen kühlen Kopf bewahren, sachlich und höflich bleiben, Souveränität ausstrahlen. „Zeigen Sie, dass Sie eine gute Kinderstube haben und werden Sie niemals aggressiv oder persönlich.“ Aus der Luft gegriffene Behauptungen ließen sich zum Beispiel wie folgt kontern: „Das ist ihr subjektiver Eindruck. Ich weiß nicht, wie Sie dazu kommen. Ich sehe das anders.“ Und nicht vergessen: den Gesprächspartner immer ausreden lassen, egal wie sehr man innerlich brodelt. Antworten auf provokante Fragen dürfen durchaus „ein wenig frech und witzig“ sein: „Auf die Frage nach Schwächen kann man etwa erwidern: Meine größte Schwäche ist meine Sehschwäche.“ Viele Bewerber verhalten sich zu angepasst, was bei etlichen Personalrekrutern auch keinen guten Eindruck hinterlässt. Heitere Äußerungen könnten zudem eine angespannte Atmosphäre entkrampfen. Vermieden werden sollten hingegen ironische, doppeldeutige Äußerungen. Und wenn ein Bewerber vor lauter Stress nicht die passenden Worte findet? Hier sollte der Bewerber alles tun, um Zeit zu gewinnen. Zum Beispiel, indem man Nachfragen stellt. Oder das in der Regel zu Beginn eines Gesprächs angebotene Getränk dankend annimmt. In brenzligen Momenten könne nämlich ein Schluck aus dem Glas die notwendige Denkpause verschaffen. Empfehlenswert sei auch, Notizen zu machen. Bei aller taktischen Provokation: Selbst ein Stressinterview hat seine Grenzen. „Ein Vorstellungsgespräch ist kein Vorstellungsverhör“. Der Bewerber müsse in der Lage sein, eine Grenze zu ziehen und höflich, aber bestimmt deutlich zu machen: bis hierher und nicht weiter. So zeige er, dass er sich durchsetzen könne. Sollte ein Bewerber merken, dass seinem Gegenüber offenbar wenig an einem konstruktiven Gespräch liegt: „Den Kaffee fertig trinken und sich höflich verabschieden.“ Zur Vorbereitung auf ein Stressinterview empfiehlt sich, in Rollenspielen mit Freunden zu üben. Am wichtigsten ist aber, sich die eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu machen. Viele Bewerber kommen ins Stolpern, weil sie sich schlichtweg nicht im Klaren über ihre Fähigkeiten sind. Auf die eigenen Stärken immer wieder während des Gesprächs zurückzukommen, ist der beste Schutz in Stressmomenten. Jeder Bewerber muss wissen, welche Punkte er in einem Gespräch unterbringen will, und jede Gelegenheit nutzen, diese einzubringen. „Selbstsicherheit ist das beste Mittel in stressigen Situationen“.

"Finden Sie nicht auch, dass Sie für diese Position viel zu unerfahren sind, ohne ausreichende Kompetenz?" Dieser Satz hat Sie im letzten Vorstellungsgespräch völlig aus der Fassung gebracht. Und während Sie noch nach Luft schnappten, kam schon die nächste Attacke: "Mit dieser Frisur und in diesem Kostüm können wir Sie natürlich nicht auf unsere Kunden loslassen. Wie haben Sie sich das gedacht?" Ohne es zu wissen, sind Sie Opfer einer ganz besonderen gesprächspsychologischen Taktik geworden: dem Stress-Interview.

Diese Art der Gesprächsführung per Kreuzverhör ist zwar nicht die Regel, erfreut sich aber bei einigen Personalern steigender Beliebtheit. Auch im Rahmen eines Assessment-Center müssen viele Bewerber die verbalen Attacken über sich ergehen lassen. Zugegeben: Angenehm ist diese Situation nie. Aber: Mit ein paar Tricks lässt sich dem Gegenüber durchaus der Wind aus den Segeln nehmen.

Warum führen Personaler Stress-Interviews?

Ins Kreuzfeuer der unangenehmen Fragen geraten Sie nur aus einem Grund: Der Personaler möchte Ihr Selbstvertrauen erschüttern und herausfinden, wie Sie auf äußeren Druck reagieren. Er konfrontiert Sie mit einer Reihe von unangenehmen und unerwarteten Fragen. Besonders wirkungsvoll ist eine Mischung aus Beschuldigungen, Sarkasmus, Ironie und hin und wieder einem Kompliment. Oft fehlt bei diesen Attacken jeder inhaltliche Bezug zum potenziellen neuen Arbeitsplatz.

 

Ablauf

Eine kurze "Anwärmphase" schafft eine entspannte Atmosphäre und die Bereitschaft, sich dem interviewenden Gesprächspartner zu öffnen. Dann beginnt der Kampf: Ihr Gegenüber beginnt, Sie massiv unter Druck zu setzen. Der Gong zur ersten Runde ertönt: "Geschönt" oder noch krasser "erstunken und erlogen" nennt Ihr Gegenüber Ihre gesamten Angaben in Ihren Bewerbungsunterlagen. Oder: "Ich habe den deutlichen Eindruck gewonnen, dass man in Ihrer Abteilung recht froh wäre, wenn Sie die Firma verlassen würden." Aber auch mit folgenden Aussagen müssen Sie rechnen „Um ehrlich zu sein, Sie haben mich bisher noch nicht einmal ansatzweise überzeugt. Ich denke diese Position ist mindestens eine Nummer zu groß für Sie!“ Klar: Diese Fragen dienen nur der Provokation. Sie sollen Sie zum Äußersten bringen. Halten Sie sich das vor Augen, dann können Sie entsprechend gelassen und defensiv reagieren.

 

Die richtige Parade

Generell gilt für Ihre Reaktion: Bloß nicht zu heftig. Bleiben Sie sachlich und warten Sie ab. Sie haben es nicht nötig, aus der Luft gegriffene Behauptungen und Anschuldigungen zu kommentieren. Versuchen Sie einfach, alle Fragen so knapp wie möglich zu beantworten. "Das ist Ihr subjektiver Eindruck. Ich weiß nicht, wie Sie dazu kommen. Ich sehe das anders." Oder: "Ich teile nicht Ihre Einschätzung bezüglich meiner Erfahrung im Umgang mit konkreten Problemen, und was den Arbeitsplatz betrifft, traue ich es mir sehr wohl zu, die anstehenden Probleme erfolgreich zu lösen." Wirken Sie nicht hilflos gegenüber den verbalen An- und Übergriffen! Besonders, wenn es zu persönlich wird, ist es schwer zu ertragen, sich nicht zu rechtfertigen.

Grenzen setzen

Überschreitet der Interviewer die Grenzen des allzu Persönlichen, sollten Sie sich Frechheiten, Unterstellungen etc. von Ihrem Gegenüber in relativ höflicher Form verbitten. Vergessen Sie nicht: Es ist ab einem bestimmten Zeitpunkt notwendig, angemessen aggressiv zu reagieren. So zeigen Sie, dass Sie in der Lage sind, sich abzugrenzen. Denn: Lassen Sie alles widerspruchslos mit sich machen, bekommen Sie dafür keinesfalls Pluspunkte. Schließlich testet das Stress-Interview nicht zuletzt Ihr Durchsetzungsvermögen!

 

Gesprächsfalle Passivtest

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Sie haben die Verbal-Attacken glücklich überstanden? Unter Umständen verlieren Sie aber in dieser Situation Ihre Fassung: Ihr Gegenüber verfällt in langes, ausdauerndes Schweigen. Sie geraten dadurch in Zugzwang, reden unter Umständen zu viel und geben all zu viel von sich preis. Der Personaler testet mit dieser Passiv-Taktik besonders Ihr körpersprachliches Verhalten in Stresssituationen. Jetzt bloß nicht unruhig auf dem Stuhl hin und her rutschen. Oder die Hände im Schoss verkrampfen. Warten Sie einfach ab. Kleine Gesprächspausen sind kein Problem. Und halten Sie ruhig auch während dieser Pause angemessenen Blickkontakt.

 

Werden Sie gezielt einem Stressinterview und einer Stresssituation ausgesetzt, so halten Sie sich an die folgenden Grundregeln:

Bewahren Sie die Fassung
Lassen Sie sich nicht provozieren, geraten Sie nicht aus der Fassung. Bewahren Sie Ruhe, übergehen Sie Randbemerkungen und machen Sie sich bewusst, dass Ihr Gesprächspartner gerade ein gemeines Spiel spielt. Man erwartet, dass Sie aus der Haut fahren und sich gestresst zeigen.

Rechtfertigen Sie sich nicht
Sie müssen sich nicht rechtfertigen, indem Sie erklären warum das angegriffene Verhalten richtig war. Sie können die Lage und Ihre Beweggründe erklären, müssen sich aber nicht verteidigen oder gar rechtfertigen.

Überstürzen Sie nichts
Lassen Sie Ihren Gesprächspartner immer ausreden. Halten Sie den Blickkontakt und bleiben Sie aufmerksam, auch wenn es schwerfällt. Atmen Sie vor Ihrer Antwort tief durch, Ihr Gegenüber ist so gespannt auf Ihre Reaktion, dass er gut und gerne ein paar Sekunden auf Ihre Antwort warten wird.

Auge um Auge, Zahn um Zahn …
… ist keine gute Devise fürs Interview. Zahlen Sie nicht mit gleicher Münze heim, indem Sie noch unverschämter kontern. Bleiben Sie stets höflich und distanziert, dass strahlt Souveränität aus.

Sie haben die Wahl
Wenn es Ihnen zu viel wird, haben Sie jederzeit die Möglichkeit, das Gespräch zu beenden und nach Hause zu gehen. Werden Ihnen wiederholt Stressfragen gestellt, die im übertragenen Sinne unter die Gürtellinie zielen, sollten Sie dies ernsthaft in Erwägung ziehen. Zum Beispiel: „Sie haben soeben erfahren, dass Ihre Frau Sie betrügt, und haben einen wichtigen Kundentermin. Was würden Sie tun?“ Vergessen Sie nicht: Sie haben die Wahl, ob Sie sich dem Stressinterview aussetzen möchten – oder eben nicht.

Fünf Top-Tipps fürs Stress-Interview

  • Bleiben Sie immer sachlich.
  • Lassen Sie Ihren Gesprächspartner ausreden. Fallen Sie ihm trotz aller Provokation nicht ins Wort.
  • Lassen Sie sich Zeit mit Ihren Antworten und überlegen Sie genau.
  • Versuchen Sie, eine gelassene, ruhige Körperhaltung zu bewahren.
  • Vergessen Sie nicht: Die Angriffe sind bloße Taktik und nicht persönlich gemeint.

 

Stressfragen – Gute und schlechte Antworten

 

1 „Was ist Ihr größter Schwachpunkt?“

„Oh, das ist eine gute Frage. Ich habe noch keine internationale Berufserfahrung.“

 

2 „Was gefällt Ihnen an Ihrer jetzigen Stelle nicht?“

„Ich muss zu viele Aufgaben erledigen, die nicht meiner Qualifikation entsprechen. Ich fühle mich schlichtweg unterfordert und falsch eingesetzt.“

 

3 „Was war Ihre größte Niederlage?“

„Als ich in einem wichtigen Projekt mitarbeitete, wies ich den Projektleiter und den Abteilungsleiter auf den miserablen Ruf des DV-Dienstleisters hin, der sich um die Software-Entwicklung beworben hatte. Ich konnte mich leider nicht durchsetzen. Später mussten wir alles noch mal neu programmieren.“

 

4 „Warum möchten Sie gerade bei uns arbeiten?

„Von Kindesbeinen an interessiere ich mich für Autos. Da ist es für mich eine besondere Ehre, bei einem der erfolgreichsten Automobilhersteller zu arbeiten.“

 

5 „Was spricht gegen Sie als Kandidat?“

„Um ehrlich zu sein, ich bin ein sehr pedantischer Mensch.“

 

6 „Wovor fürchten Sie sich?“

„Meine größte Furcht ist eigentlich, dass ich wichtige Aufgaben nicht termingerecht beende. Ich habe daher mein eigenes Zeitplanungssystem entwickelt. Seitdem schaffe ich es sehr gut, meine Aufgaben einzuteilen.“

7 „Glauben Sie nicht, dass Sie für diese Stelle zu jung sind?“

„Ich denke, das Alter spielt keine große Rolle. Ich bringe die entscheidenden Erfahrungen und Qualifikationen mit und traue es mir daher zu, die Stelle gut auszufüllen.“

 

8 „Was machen Sie, wenn wir Sie nicht nehmen?“

„Ich bin in meiner jetzigen Position im Grunde zufrieden. Für mich wäre es nur eine Herausforderung, zum Weltmarktführer zu wechseln. Sollte das nicht klappen, würde ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber bleiben.“

 

9 „Was würden Sie tun, wenn Sie nicht mehr arbeiten müssten?“

„Zunächst würde ich einfach nur ausspannen. Danach könnte ich wieder mal Sport treiben und gute Literatur lesen. Ich würde mich auch mehr meiner Familie widmen wollen.“

 

 

Gut:

1. Der Bewerber gibt eigentlich nur preis, was bereits im Lebenslauf steht – dass er nämlich bislang nicht im Ausland gearbeitet hat. Der Interviewer ist so schlau wie vorher. Dumme Fragen fordern eben dumme Antworten heraus.

 

3. Der Bewerber gesteht, dass er sich in einem Projekt nicht durchsetzen konnte. Aber wer kann das schon gegenüber dem Projektleiter und dem Abteilungsleiter? Unter dem Strich lässt er erkennen, dass er die Situation realistischer als seine Vorgesetzten eingeschätzt hat. Und dies spricht für seine Kompetenz.

 

6. Der Bewerber antwortet sehr geschickt. Er bekennt sich zu einem Allerweltsproblem – wer hat keine Angst, im Beruf Termine zu versäumen? – und fügt gleich hinzu, wie er gegensteuert. Echte persönliche Ängste gehören nicht in das Vorstellungsgespräch und gehen den Interviewer ohnehin nichts an. Schließlich ist er kein Therapeut.

 

8. Der Stellenwechsler muss nicht zugeben, dass er noch weitere Eisen im Feuer hat. Seine Antwort schmeichelt zum einen dem Unternehmen, zum anderen signalisiert sie, dass er sich nicht aus der Not heraus beworben hat.

 

Schlecht:

2. Ein Bewerber, der im Vorstellungsgespräch schlecht über seinen aktuellen Arbeitgeber redet, macht sich verdächtig. Denn Loyalität scheint ihm wenig zu bedeuten. Außerdem: Wer sich unterfordert fühlt, hat die verdammte Pflicht, eine anspruchsvollere Aufgabe anzustreben. Besser ist es, die negative Botschaft ins Positive zu drehen: „Meine Aufgabe ist spannend und macht mir Spaß, aber ich habe meinen Vorgesetzten im letzten Jahresgespräch nach einer Entwicklungsperspektive gefragt, und da bedauerte er, dass er mittelfristig nichts anzubieten hätte.“

 

4. Diese Frage ist eine Steilvorlage: Der Kandidat könnte leicht punkten, indem er zeigt, wie viel er über das Unternehmen weiß. Die eine oder andere Zahl aus dem Geschäftsbericht, ein Zitat des Vorstands aus einem Zeitungsartikel – so etwas macht Eindruck, jedenfalls mehr als der Kleine-Jungen-Traum vom Autofahren.

 

7. Es ist nicht verkehrt, auf eine solche Frage spontan zu widersprechen. Doch hier sollte der Bewerber Ross und Reiter nennen und klar machen, mit welchen Erfahrungen und Qualifikationen er den Mangel an Jahresringen auszugleichen gedenkt. Einfach von „Erfahrungen und Qualifikationen“ zu sprechen, ist auf jeden Fall zu wenig.

 

9. Zumindest ehrlich ist dieser Bewerber, doch dabei gesteht er jede Menge aktueller Defizite ein. Zum Beispiel hat er keine Zeit für Sport – wie wird es da um seine Fitness und Ausgeglichenheit stehen? Wann hat er das letzte Mal ein Buch in der Hand gehabt? Vernachlässigt er seine Familie? Besser wäre diese Antwort gewesen: „Nach einer kurzen Pause würde ich eine Bestandsaufnahme machen, was ich in meinem Privatleben erreichen möchte. Danach würde ich einen Zeitplan machen, ... usw.“

 

Situativ:
Hier ist entscheidend, um welche Stelle es geht. Ein Marketingmanager, der sich als Pedant outet, hat sicher schlechte Karten. Dagegen kann es nicht schaden, wenn ein Buchhalter gelegentlich Erbsen zählt. Merke: Schwächen als Stärken verkaufen!

Fazit:
Zu taktischen Fragen im Vorstellungsgespräch passen nur taktische Antworten und keine persönlichen Offenbarungen, die Privatsache sind. Merkt der Personaler, dass der Bewerber weiß, wo der Hase langläuft, wird er wahrscheinlich von weiteren Stressfragen absehen.

Tipp:
Weitere Informationen zum Thema Stressinterview im Bewerbungsgespräch finden Sie in diesen Büchern:

  • „Das Bewerbungsgespräch – Tipps für das Gespräch, Fangfragen und Fettnäpfchen“
    Martin Blath, Eichborn Verlag, ISBN-13: 978-3-8218-5891-3, Preis: 6,95 EUR
  • „Topkandidat im Assessment-Center – Die optimale Vorbereitung auf Eignungstests, Stressinterviews und alles, was Sie wissen müssen“
    Heiko Lüdemann, Redline Wirtschaft, ISBN-13: 978-3-6360-1579-2, Preis: 17,90 EUR

Welche Fragen darf der Arbeitgeber Ihnen stellen und welche nicht?

Grundsätzlich darf einen Arbeitgeber nur interessieren, was Sie für die zu besetzende Stelle qualifizieren kann. Nach Bereichen, die keine Rolle für die Stelle spielen, darf er nicht fragen.

Da bei der Einstellung von Bewerbern aber auch die Schlüsselqualifikationen eine bedeutsame Rolle spielen, darf er natürlich durchaus auch nach Ihren Freizeitaktivitäten, Ihren Lesegewohnheiten und ähnlichen Dingen fragen, die auf den ersten Blick nicht direkt mit dem künftigen Beruf zu tun haben.

Fragen nach Religionszugehörigkeit oder politischer Einstellung sind in der Regel nicht erlaubt und dürfen nur gestellt werden, wenn es für die Stelle doch wichtig ist (Einstellung als Lehrer bei einer katholischen Bekenntnisschule oder Einstellung als Redakteur bei einer Tageszeitung). Fragen nach einer Gewerkschaftszugehörigkeit oder danach, ob Sie gleichgeschlechtliche Neigungen haben, sind generell nicht zulässig.

 

Fragen die in einem Bewerbungsgespräch nicht beantwortet werden müssen

Das AGG (Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz) hat neben Änderungen im Bewerbungsprozess auch Änderungen für die Bewerbungsgespräche mit sich gebracht.

Es gibt diverse Fragen, auf die ein Bewerber nicht antworten muss, diese Fragen dürfen eigentlich im Bewerbungsgespräch nicht einmal gestellt werden. Hier einige Beispiele für Fragen, auf die Sie im Bewerbungsgespräch nicht antworten müssen:

Grundlage ist eine amerikanische Umfrage, die mehr als 1.000 Personalbeauftragte und 3.000 Jobsuchende nach ihren Erfahrungen befragt hat. Einige dieser Fragen mögen einfach wirken, sind aber in einem Bewerbungsgespräch ungesetzlich.

Es tauchen in Bewerbungsgesprächen teilweise unglaubliche Fragen auf, einige davon sind wirklich völlig fehl am Platz. Sollte Ihnen in einem Bewerbungsgespräch eine solche Frage gestellt werden, vergessen Sie nicht, Sie haben zu jeder Zeit Kontrolle über das Gespräch und können bestimmte Fragen ablehnen. Sie sollten allerdings höflich und freundlich erklären, warum Sie diese Frage nicht beantworten wollen.

Grundlegende Fragen die, laut AGG, auf keinen Fall gestellt werden dürfen:

  • Würden Sie einer Kirche beitreten, um den Job zu bekommen?
  • Sind Sie Single, und wenn ja, warum?
  • Warum sind Sie nicht verheiratet?
  • Würden Sie von Zeit zu Zeit auf meine Kinder aufpassen?
  • Würden Sie die Nacht mit einem Kunden verbringen, wenn er dies wünscht?

 

Fragen, die eindeutig zu persönlich sind:

  • Planen Sie Kinder zu haben?
  • Sind Sie in Ihrer Beziehung zufrieden?
  • Ist das Ihre echte Haarfarbe?

 

Fragen die bei einen Bewerbungsgespräch nicht relevant sind:

  • Wer ist Ihr favorisierter Musiker bei den Rolling Stones?
  • Was würden Sie machen, wenn ich Ihnen einen Elefanten schenken würde?
  • Was halten Sie von dem Gemälde in unserem Büro?

 

Diese Fragen mögen auf den ersten Blick die Kreativität des Kandidaten prüfen, aber die Antworten spiegeln in keiner Weise die Fähigkeiten des Kandidaten wieder, haben also bei einem Bewerbungsgespräch nichts zu suchen.

Aber auch die Antworten von manchen Bewerbern verstoßen eindeutig gegen das AGG, oder schließen Sie direkt vom Bewerbungsprozess aus.

Diese Antworten sollten Sie auf keinen Fall in einem Bewerbungsgespräch geben (sind aber wirklich von Bewerbern gegeben worden):

  • Ich kann einfach nicht mit Frauen zusammenarbeiten.
  • Ich habe schon einen anderen Job angenommen, dachte aber vielleicht würde ich hier mehr verdienen.
  • Entschuldigen Sie meine Antworten, ich habe noch einen Kater vom Wochenende. (Das Gespräch war an einen Mittwoch!)
  • Ich hatte einen Traum, in dem mir eine Fee sagte, dass ich in Ihrer Firma arbeiten soll.
  • Ich hätte gerne diesen Job, weil ich denke bald gefeuert zu werden.
  • Ich habe Ihnen hier eine Auszeichnung mitgebracht, in der ich von unserem Fußballverein als “Sexiest Man alive” gewählt worden bin.

 

Einige dieser Antworten und Fragen mögen Ihnen lachhaft erscheinen, werden aber immer wieder gefragt oder geantwortet. Bereiten Sie sich gut auf das Gespräch vor, bleiben Sie freundlich und beantworten Sie keine Fragen bei denen Sie das Gefühl haben, das diese zu tief in Ihre Privatsphäre eingreifen. Die meisten Personaler verstehen, wenn Sie klar und freundlich erklären, warum Sie die ein oder andere Frage nicht beantworten wollen.

Fragen, die Sie stellen können

Bei fast jedem Vorstellungsgespräch hat der Bewerber gegen Ende des Gesprächs die Möglichkeit, dem Unternehmensvertreter ein paar Fragen zu stellen. Diese Chance sollten Sie unbedingt nutzen, da gerade diese Fragen den positiven Ausschlag für eine Einstellung geben könnten.

Sie sollten sich nicht scheuen, einige Fragen schon im Vorfeld aufzuschreiben und sich während des Gesprächs Notizen zu machen. Achten Sie darauf, möglichst offene Fragen zu stellen, also Wer-, Was- oder Wie- Fragen, die Ihr Gegenüber mit längeren Ausführungen und nicht nur mit Ja oder Nein beantworten muss.

Wichtig ist letztendlich, dass Sie die Fragen nicht aus reiner Höflichkeit stellen, sondern aus wirklichem Interesse heraus. Die Unternehmensvertreter haben schon Dutzende solcher Gespräche hinter sich und sind in der Lage, genau zu differenzieren, ob ein wirkliches Interesse am Unternehmen besteht oder nicht.

Damit Sie nicht von einem Fettnäpfchen ins Nächste stolpern, sollten Sie sich schon im Vorfeld Gedanken darüber machen, welche Fragen Sie stellen könnten. Empfehlenswert sind Fragen über ihre zukünftige Position im Unternehmen. Auch die gängigen Arbeitsweisen können Sie erfragen, ob beispielsweise eher Einzel- oder Teamarbeit zu erwarten ist.

Beiläufig und nicht anbiedernd sollten Sie erwähnen, wie wichtig Ihnen die Teamarbeit ist. Gerade in der New Economy ist die Teamfähigkeit ein entscheidendes Einstellungskriterium.

Weitere Fragen könnten den Führungsstil, die Handhabungsspielräume, die Aufstiegsmöglichkeiten oder die Weiterbildung betreffen. Auch Fragen über die allgemeine Zukunft des Unternehmens können gestellt werden. Gut platziert verdeutlichen Sie ein wirkliches Interesse am Unternehmen und steigern Ihre Chancen auf eine Einstellung erheblich.

Bevor Sie Ihre Fragen formulieren, sollten Sie sich die Anzeige nochmals durchlesen. Surfen Sie auch nochmals auf der Homepage des Unternehmens – Welche Fragen haben Sie ad hoc? Beschreiben Sie auch einem Freund die Position und lassen Sie sich Fragen stellen. Welche können Sie nicht beantworten?

 

Fragen an das Unternehmen könnten sein:

  • Welche Abteilungen Ihres Unternehmens werde ich während meiner Ausbildung kennenlernen/durchlaufen?
  • Wie lange bin ich in einer Abteilung?
  • Kann ich auf meinen Ausbildungsweg Einfluss nehmen?
  • Wie ist der Berufsschulunterricht organisiert?
  • Besteht die Möglichkeit, nach der Ausbildung übernommen zu werden?
  • Wie sind die Chancen nach der Ausbildung übernommen zu werden?
  • Wie lange dauert die Probezeit?
  • Welche Aufstiegschancen bestehen in Ihrem Unternehmen?
  • Wie ist die Arbeitszeit geregelt?
  • Wie viele Auszubildende stellen Sie dieses Jahr ein?
  • Welche Erwartungen haben Sie an den neuen Stelleninhaber?
  • Gibt es für die Position eine konkrete Stellenbeschreibung? Gibt es einen Organisationsplan zum Unternehmen?
  • Ist eine Einarbeitungsphase vorgesehen? Wer wird mein Ansprechpartner sein?
  • Wer ist mein direkter Vorgesetzter? An wen werde ich berichten?
  • Wie lang ist meine Probezeit?
  • Für wie viele Mitarbeiter bin ich verantwortlich?
  • Werde ich Mitarbeiterverantwortung bzw. Budgetverantwortung haben?
  • Mit welchen Abteilungen werde ich zusammenarbeiten?
  • Worauf legen Sie Wert? Gibt es Zusatzqualifikationen, die ich mir für diese Stelle noch aneignen sollte?
  • Welche Firmenphilosophie hat das Unternehmen? Wie lauten die Kernaussagen?
  • Welche Weiterbildungsmöglichkeiten habe ich in Ihrem Unternehmen?
  • Besteht die Möglichkeit, auch im Ausland eingesetzt zu werden?
  • Wie muss ich mir meine zukünftige Position vorstellen?
  • Werde ich alleine oder im Team arbeiten?
  • Gibt es jetzt schon festgesetzte Ziele, die ich erreichen muss?
  • Wie sieht mein Arbeitsplatz aus? Werde ich im Großraumbüro arbeiten oder ein Einzelbüro haben?
  • Wie ist die Computerausstattung? Arbeiten Sie mit XY?
  • Haben die Mitarbeiter E-Mail und/oder Internetanschluss?
  • Wie ist meine Position hierarchisch angesiedelt?
  • Welcher Führungsstil wird praktiziert?
  • Bieten Sie ein spezielles Einarbeitungsprogramm für Ihre Mitarbeiter an? Wie sehen diese aus?
  • Welche Aufstiegsmöglichkeiten gibt es?
  • Ist ein Einsatz im Ausland grundsätzlich möglich? Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt werden?
  • Wie hoch wird die Reisetätigkeit sein?

 

Dies sind nur einige Beispiele für Fragen, die Sie stellen können. Natürlich sind auch Fragen zum Verdienst und/oder zu den Urlaubstagen erlaubt - es sollten aber nicht die Einzigen und auch nicht die Ersten sein, die Sie stellen.

 

Einstellungstest

Zurück auf die Schulbank?

Tests und Auswahlverfahren gibt es wie Sand am Meer. Allgemeinwissen, Konzentrationsfähigkeit, logisches Denken, Kreativität, Durchsetzungsvermögen oder gar Intelligenz sollen dabei festgestellt werden. Der Wunsch hinter solchen Verfahren ist immer der gleiche: Ein scheinbar objektives, wissenschaftlich begründetes Ergebnis soll Ihre Eignung für die Stelle feststellen.

Ein Einstellungstest dient dazu, herauszufinden, wie gut die Allgemeinbildung von Bewerbern ist, wie gut sie mit Zahlen umgehen können und wie sicher sie die deutsche Sprache beherrschen.
Ganz wichtig für die Aufwärmphase: Trainieren Sie sich. Üben Sie anhand von Testaufgaben für den Einstellungstest. Üben Sie auch, sich an den Stressfaktor zu gewöhnen. Tests laufen immer unter Zeitdruck ab.

Die Zeitschrift FOCUS bietet einen sehr umfangreichen Test, den Sie online durchführen können. Am Ende bekommen Sie sofort eine Auswertung.
Außerdem finden Sie auf dieser Seite Informationen über die üblichen Test-Typen mit entsprechenden Trainingsmöglichkeiten.

 

Hier der Link zu der Internetseite von Focus:
www.focus.de/finanzen/karriere/bewerbung/einstellungstest/

 

 

 

Ihr Allgemeinwissen können Sie auf der folgenden Internetseite trainieren. Hier finden Sie derzeit 31 verschiedene Allgemeinbildungstests:
www.wissen.de/wissenstest

 

Personalfragebogen

Personalfragebögen werden verwendet, um Ihre Bewerberdaten in der jeweiligen Firmenstruktur zu erfassen. Sie können manchmal aber auch versteckte Persönlichkeitstests enthalten („Nennen Sie Ihre Vorbilder, Ihre Lieblingsautoren, Ihre persönlichen Stärken und Schwächen“ usw.).

Personalfragebögen von A-Z: Welche Fragen sind erlaubt - und welche sind verboten?

In den meisten Betrieben ist es heutzutage üblich, dass die Bewerber Personalfragebögen ausfüllen müssen, bevor es zur Einstellung kommt. Als Arbeitgeber möchten Sie schließlich möglichst viele Daten über einen Bewerber erhalten. Die Beantwortung der Fragen hat oft Einfluss auf die Entscheidung, ob es zur Einstellung kommt oder nicht.

Allerdings besteht bei diesen Fragebögen häufig die Tendenz, weit in die Persönlichkeitssphäre des Bewerbers einzudringen. Deshalb hat hier beispielsweise auch der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht. Es ist in § 94 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) verankert. Durch diese Regelung soll sichergestellt werden, dass Ihre Personalfragebögen inhaltlich auf solche Fragen beschränkt bleiben, für die Sie als Arbeitgeber ein berechtigtes Auskunftsbedürfnis haben.

Die folgende Aufzählung bietet Ihnen einen wichtigen Überblick darüber, was Sie abfragen dürfen – und was nicht.

Wichtig: Haben Sie eine unzulässige Frage in ihre Fragebögen aufgenommen, darf ein Bewerber auf diese unzulässige Frage falsch antworten. Sie können ihm daraus später keine Nachteile erwachsen lassen.

 

AIDS-Erkrankung

Bei der Frage nach einer AIDS-Erkrankung müssen Sie zwischen Infizierung und akuter Erkrankung unterscheiden. Die Frage nach der AIDS-Infizierung (HIV-Infektion) ist unzulässig, da ein Mitarbeiter oder Stellenbewerber in diesem Stadium noch keine Leistungsminderung aufweist. Eine Ansteckungsgefahr besteht hier in der Regel auch nicht. Eine Ausnahme kann bei Mitarbeitern in Heil- und Pflegeberufen oder bei Personal in der Lebensmittelherstellung vorliegen. Nach einer akuten AIDS-Erkrankung dürfen Sie in jedem Fall fragen. Denn nach dem aktuellen Stand der Medizin ist in absehbarer Zeit mit Arbeitsunfähigkeitszeiten zu rechnen.

 

Alkoholabhängigkeit

Eine bestehende Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit. Diese muss ein Bewerber oder Mitarbeiter ungefragt offenbaren. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass diese Erkrankung ihn für die zu übernehmende Tätigkeit als ungeeignet erscheinen lässt. Konkret heißt das, dass auch die Frage nach einer bestehenden Alkoholabhängigkeit in Personalfragebögen zulässig ist, falls die Eignung für die aufzunehmende Tätigkeit dadurch entfällt.

 

Beruf des Ehegatten

Der Beruf und der Arbeitgeber des Ehegatten können bei Bewerbern wichtig sein, die Zugang zu wichtigen Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen haben. In diesen Fällen ist diese Frage berechtigt und zulässig.

 

Betriebsratstätigkeit, frühere

Die Frage nach früheren Funktionen in Betriebsverfassungs- oder gleichgestellten Organen beim letzten Arbeitgeber ist unzulässig.

 

Ermittlungsverfahren

Die Frage nach einem laufenden Ermittlungsverfahren ist nicht zulässig. Jeder Betroffene gilt bis zur rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig.

 

Familienstand

Die Frage nach dem Familienstand Ihres Bewerbers ist erlaubt.

 

Freiheitsstrafen

Nach Freiheitsstrafen dürfen Sie nur fragen, soweit sie für das Arbeitsverhältnis von Bedeutung sind. Das ist etwa der Fall für Vermögensdelikte bei einem Bankkassierer, Verkehrsstraftaten bei einem Kraftfahrer oder Sittlichkeitsstrafen bei einem Jugendbetreuer. Gleiches gilt auch für Fragen zu Vorstrafen.

 

Gehalt, zuletzt bezogenes

Die Frage nach dem zuletzt bezogenen Gehalt ist unzulässig, wenn die Angabe

  • keine Aussagekraft für die neue Tätigkeit besitzt oder
  • der Arbeitgeber daraus Schlüsse in Bezug auf Leistung oder Verhalten des Bewerbers ziehen kann.

 

Gesundheitszustand

Bei den Gesundheitsfragen kommt es darauf an, welche Fragen gestellt werden sollen. Grundsätzlich sind Fragen nach der Gesundheit zulässig. Denn krankheitsbedingte Beeinträchtigungen müssen Sie als Arbeitgeber

  • auf Grund spezial-gesetzlicher Vorschriften,
  • wegen Ihrer Fürsorgepflicht oder
  • aus in der Vertragsdurchführung liegenden Gründen berücksichtigen.

 

Allerdings müssen die Fragen immer auf den konkreten Arbeitsplatz bezogen sein. Je stärker sich die krankheitsbedingten Beeinträchtigungen eines Bewerbers auf den Arbeitsplatz oder Dritte auswirken könnten, desto genauer dürfen Sie danach fragen. Dabei ist nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts zum Fragerecht des Arbeitgebers zu Krankheiten des Bewerbers auf folgende 3 Fragen beschränkt:

  • Liegt eine Krankheit oder Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes vor, durch die die Eignung für die vorgesehene Tätigkeit auf Dauer oder in periodisch wiederkehrenden Abständen eingeschränkt ist?
  • Liegen ansteckende Krankheiten vor, die zwar nicht die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, jedoch die zukünftigen Arbeitskollegen und Kunden gefährden?
  • Ist zum Zeitpunkt des Arbeitsantritts oder in absehbarer Zeit mit einer Arbeitsunfähigkeit zu rechnen, etwa durch eine geplante Operation, eine bewilligte Kur oder auch durch eine zurzeit bestehende Krankheit? (BAG, Urteil vom 07.06.1984, Aktenzeichen: 2 AZR 270/83; in: AP Nr. 26 zu § 123 BGB).

 

Haben Sie als Arbeitgeber eine ärztliche Einstellungsuntersuchung vornehmen lassen, haben Sie damit Ihr Fragerecht faktisch dem Arzt übertragen. Sie können also Gesundheitsaspekte nicht noch einmal hinterfragen. Allerdings dürfen Sie weiterhin nach chronischen Erkrankungen fragen.

Gewerkschaftszugehörigkeit

Die Frage nach der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft darf im Fragebogen nicht gestellt werden. Ausnahmen bestehen für bestimmte Tendenzbetriebe (z. B. Kirche) und bei leitenden Angestellten, die Sie als Arbeitgeber in Ihrer Position vertreten sollen. Sie ist außerdem zulässig, wenn Sie als Arbeitgeber angeben, Sie seien Mitglied eines bestimmten Arbeitgeberverbandes und erbitten die Angabe, um die Tarifbindung zu prüfen.

 

Hausstand, eigener

Die Frage nach einem eigenen Hausstand ist zulässig, da einige Tarifverträge Mitarbeitern einen Anspruch auf einen bezahlten Urlaubstag bei einem Umzug einräumen.

 

Heiratsabsicht

Die Frage nach der Heiratsabsicht ist unzulässig. Dies gilt auch bei weiblichen Bewerbern, bei denen diese Frage aus Sicht der Personalplanung wichtig ist.

 

Lohn- oder Gehaltspfändungen

Die Frage nach Lohn- und Gehaltspfändungen ist nur nach Abschluss des Arbeitsvertrages zulässig, da sie mit der Erfüllung der arbeitsvertraglichen Pflichten und der Eignung des Mitarbeiters für den Arbeitsplatz nichts zu tun hat.

 

Nebentätigkeit

Je nach Status, Art des Arbeitsverhältnisses und Tätigkeit sind solche Fragen gestattet, sofern Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis im Unternehmen zu erwarten sind.

 

Parteizugehörigkeit

Die Frage nach der Parteizugehörigkeit ist unzulässig. Eine Ausnahme gilt nur für Tendenzbetriebe.

 

Persönliche Angaben

Ein eingestellter Bewerber ist verpflichtet, ein Mindestmaß an persönlichen Angaben zu machen. Dazu gehören Angaben zu Geburtsdatum, Wohnort, Bankverbindung, Staatsangehörigkeit, Familienstand, Name und Daten der Kinder.

 

Persönliche Verhältnisse

Die Frage nach den persönlichen Verhältnissen eines Bewerbers ist nur zulässig, wenn Sie im Hinblick auf die konkrete Tätigkeit und den Arbeitsplatz ein berechtigtes, billigenswertes und schutzwürdiges Interesse nachweisen können. Dabei müssen Sie auch den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz beachten.

 

Rasse

Absolut unzulässig ist die Frage nach der Rasse des Bewerbers.

 

Religionszugehörigkeit

Die Frage nach der Religionszugehörigkeit eines Bewerbers ist erst nach Abschluss des Arbeitsvertrags zulässig, da dies für die Abführung der Kirchensteuer wichtig ist. Eine Ausnahme gilt für Tendenzbetriebe wie etwa konfessionelle Krankenhäuser oder kirchliche Einrichtungen.

 

Schwangerschaft

Die Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft vor der Einstellung ist grundsätzlich wegen Verstoßes gegen das Diskriminierungsverbot des § 611a BGB unzulässig. Zulässig ist die Frage jedoch ausnahmsweise, wenn eine schwangere Bewerberin die angestrebte Tätigkeit nicht erbringen kann, ohne ihre eigene Gesundheit oder die des ungeborenen Kindes zu gefährden. Die Frage ist auch zulässig, falls gesetzliche Vorschriften einer Beschäftigung einer schwangeren Mitarbeiterin entgegenstehen, etwa wenn schwere körperliche Arbeit oder Nacht- oder Sonntagsarbeit verlangt wird.

 

Schwerbehinderteneigenschaft oder Gleichstellung

Die Frage nach einer bestehenden Schwerbehinderung oder Gleichstellung mit Schwerbehinderten ist zulässig.

 

Stasi-Tätigkeit

Die Frage nach einer Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit der ehemaligen DDR oder für die SED ist nur zulässig, wenn die Position des Mitarbeiters das erfordert. Das ist etwa der Fall, wenn er entweder in hervorgehobener Position oder in einem sicherheitsrelevanten Bereich tätig werden soll.

 

Vermögensverhältnisse

Die Frage nach den Vermögensverhältnissen des Bewerbers ist nur zulässig, wenn er in einer besonderen Vertrauensstellung oder als leitender Angestellter tätig ist oder tätig werden soll. Weiter erforderlich ist, dass der Bewerber in seiner Position

  • mit Geld umgehen muss oder
  • die Gefahr der Bestechung oder des Geheimnisverrats besteht.

 

Wehr- oder Ersatzdienst

Die Frage nach zu leistendem Wehr- oder Ersatzdienst darf nur noch in Ausnahmefällen gestellt werden, wie etwa wenn der Arbeitgeber einen befristet Beschäftigten sucht, der wegen seines Wehrdienstes seine Tätigkeit gar nicht erst ausüben kann.

 

Werdegang, beruflicher

Die lückenlose Darlegung des beruflichen Werdegangs hat in der Praxis immer noch einen sehr hohen Stellenwert. Nur so erhalten Sie als Arbeitgeber ein umfassendes Bild über den beruflichen Weg eines Bewerbers. Schon aus diesen Gründen ist die Frage nach dem beruflichen Werdegang zulässig.

 

Wettbewerbsverbot

Über ein Wettbewerbsverbot muss ein Bewerber von sich aus informieren. Deshalb dürfen Sie ihn auch danach fragen, ob er mit seinem früheren Arbeitgeber ein rechtswirksames Wettbewerbsverbot vereinbart hat.

 

Pannenhilfe: Was tun, wenn …

…Sie nicht pünktlich zum Gespräch erscheinen können?

Auch wenn Sie Ihren Anreiseweg perfekt geplant haben, kann immer etwas schief gehen. Vielleicht stecken Sie in einem Mamutstau, eventuell verpassen Sie aufgrund eines Gleisschadens sämtliche Anschlusszüge oder Sie verschlafen zum ersten Mal in Ihrem Leben einen wichtigen Termin. Für alle diese Fälle gilt: Es ist selbstverständlich, dass Sie Ihren Gesprächspartner unverzüglich anrufen. Entschuldigen Sie sich für die Verspätung, und informieren Sie ihn über Ihr Malheur. Eventuell liegt das weitere Vorgehen jetzt nicht mehr in Ihrer Hand. Es kann durchaus sein, dass Ihre Verspätung nicht entscheidend ist und Sie Ihr Einstellungsgespräch noch am selben Tag durchführen können. Es ist aber auch möglich, dass der Zeitplan Ihres Gesprächspartners für ein späteres Treffen zu eng ist und daher einen Ausweichtermin vereinbaren müssen.

…Sie bemerken, dass Ihr Styling auch nicht mehr das ist, was es noch am Morgen war?

Sie haben einen Teil Ihres Kaffees über Ihr Hemd gekleckert oder Ihre Strumpfhose hat eine Laufmasche? Die Sache mit der Laufmasche passiert im Übrigen sehr häufig. Deshalb sollten Bewerberinnen immer ein zweites Paar im Gepäck haben. Wenn Sie ein Missgeschick allerdings nicht mehr korrigieren können, hilft nur eins: Bleiben Sie ruhig und gelassen. Überlegen Sie sich, ob Sie die Bescherung nicht ganz offen ansprechen. Das macht Sie menschlich und sympathisch und spricht auch für ein gesundes Selbstbewusstsein. Zudem sind derartige Vorfälle immer wieder ein beliebtes Small-Talk-Thema am Anfang des Vorstellungsgesprächs.

…Sie nervös sind?

Aufgrund Ihrer sorgfältigen Vorbereitung sind Sie eigentlich auf der sicheren Seite. Sie werden ein partnerschaftliches Gespräch auf gleicher Augenhöhe führen. Eine gewisse Grundanspannung ist kein Thema. Auch Ihr Lampenfieber können Sie in der Regel offen ansprechen. Falls Sie allerdings in Prüfungssituationen durch alle Poren ausstrahlen, wie nervös Sie sind, und Sie einen Blackout befürchten, hier noch einige Tipps:

  • Versuchen Sie zunächst niemals, Ihr Lampenfieber zu ignorieren, sondern entwickeln Sie gegenüber Ihrer Nervosität eine positive Grundhaltung: Wer vor einem Bewerbungsgespräch allzu cool und lässig ist, hat häufig nicht die nötige Spannung, um überzeugend und wirkungsvoll zu kommunizieren. Jeder gute Schauspieler verspürt vor einem Auftritt, auch nach jahrelanger Bühnenerfahrung, noch eine gewisse Erregung, die erst im Verlauf der Aufführung etwas nachlässt. Lassen Sie also Ihr Lampenfieber nicht gegen sich, sondern für sich arbeiten. Betrachten Sie Ihre Anspannung als Ansporn. Dann wird Ihnen Ihr Lampenfieber dabei helfen, auf den Punkt fit und hoch konzentriert zu sein.
  • Spielen Sie das Vorstellungsgespräch mehrfach in Ihren Gedanken durch: Sie sind entspannt, weil Sie wissen, dass Sie sehr gut vorbereitet sind. Sie betreten den Raum und treffen auf sympathische Menschen. Sie parieren alle gestellten Fragen gekonnt und souverän in einer offenen und kooperativen Gesprächsatmosphäre.
  • Stellen Sie sich vor, was Sie nach dem Gespräch tun werden. Sie packen Ihre Unterlagen ein und Ihr Gesprächspartner gratuliert Ihnen zu Ihrer gelungenen Präsentation. Sie rufen einige Freunde an, um sie über Ihren professionellen Auftritt zu informieren und mit Ihnen am Abend ein wenig zu feiern.
  • Falls Sie es in der Kennenlernrunde mit mehreren Personen zu tun haben, sollten Sie bei großer Anspannung zunächst so wenig wie möglich auf die Grantigen und Brummigen blicken – außer natürlich, wenn Sie das Pech haben, dass gerade diese das Wort an Sie richten. Konzentrieren Sie sich in der Anfangsphase auf diejenigen, die Ihnen gegenüber offensichtlich wohlwollend eingestellt sind. Ansonsten bekommen Sie eventuell ein völlig falsches Bild vom Erfolg Ihrer Vorstellung. Achten Sie allerdings darauf, dass Sie im Verlauf des Gesprächs niemanden ignorieren.
  • Eine schnell wirkende Atemtechnik, die Sie auch noch kurz vor Ihrem Vorstellungstermin einsetzen können, ohne dass es jemanden auffallen wird´: Atmen Sie langsam und bewusst ein. Halten Sie die Luft für einen kurzen Moment an. Beim Ausatmen sprechen Sie gedanklich ein zweisilbiges Wort wie Ruhe, Friede oder Freude. Wiederholen Sie die Übung mehrere Male. Sie werden spüren, wie Sie sich beim Ausatmen entspannen und sich Ihre Atmung allmählich beruhigt.
  • Gerade wenn Sie mit einer Vorstellungssituation wenig vertraut sind, sollten Sie nicht allzu selbstkritisch sein. Bewerten Sie jedes Bewerbungsgespräch als exzellentes Training: Auch wenn sich das Unternehmen für einen anderen Kandidaten entscheiden sollte, Sie können nur gewinnen. Und beim nächsten Mal klappt es bestimmt!

 

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